TV-Experiment : Demokratie jetzt!

Im „TVLab“ wählt das Publikum das Programm von ZDFneo. Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf führen durch den Wettbewerb.

Andrea Tebart
Laboranten. Joko Winterscheidt (l.) und Klaas Heufer-Umlauf führen durch das Programm des „TVLab“. Foto: ZDF
Laboranten. Joko Winterscheidt (l.) und Klaas Heufer-Umlauf führen durch das Programm des „TVLab“. Foto: ZDF

Die Idee scheint auf den ersten Blick recht demokratisch zu sein. Zuschauer sollen vom heutigen Samstag an beim ZDF-Digitalsender Neo mitentscheiden, was sie zukünftig im Programm sehen wollen. Zehn „TVLab“-Beiträge sind dafür am Start. Unterschiedliche Fernsehideen mit schnellem Schnitt und einigen originellen Ideen. Unter den Formaten sind Puppen-Sitcom, Krimi-Comedy, Filmmagazin, Dating-Show und ein zuschauerorientiertes Reisemagazin. Zur Auswahl standen dem ZDF dafür 91 Konzepte, die von Produktionsfirmen für diesen Wettbewerb entwickelt wurden.

Wer warum letztendlich nicht von der Partie ist, die Entscheidungskriterien blieben auf der ZDF-Pressekonferenz eher vage. Etwas klarer die Kosten für die Umsetzung: Durchschnittlich 30 000 Euro erhielten die beteiligten TV-Firmen. Das ZDF hat kaufmännisch gedacht. Gemessen am Aufwand für die Entwicklung eines 30-minütigen Piloten ist der Betrag gering. Und nur einer der zehn Konkurrenten gewinnt.

Den Sieger bei „TVLab – Schau doch, was du willst!“ können alle online wählen, die sich als Jury-Mitglied vorab (unter tvlab.zdfneo.de) angemeldet haben. Die Abstimmung läuft bis zum 3. September um 15 Uhr 30. Moderiert wird der Wettbewerb von Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf. Die beiden sollen Entscheidungshilfen bieten. Blicke hinter die Kulissen des Experimentierstudios sind ebenso dabei wie Hintergrundgeschichten zu den Dreharbeiten. Gedacht ist das „TV-Lab“ für Zuschauer zwischen 30 und 40, ließen die Mainzer Fernsehmacher verlauten. Warum dabei ihre Wahl ausgerechnet auf diese Gastgeber fiel? Mit ihren Jahrgängen 1979 (Joko) und 1983 (Klaas) sprechen sie vermutlich eher Viva-Zuschauerinnen um die 20 an. Aber vielleicht ist das ja genau die Absicht. Gemeinsam bekannt geworden sind die beiden jedenfalls durch „MTV Home“, die Pro-7-Show „17 Meter“ und ansonsten durch ihr Werbelächeln.

Die scheinbare Experimentierfreudigkeit von Neo setzt in diesem Fall auf Bekanntes, Vertrautes, Erfolgreiches, obwohl der Digitalsender als Spielwiese des ZDF gilt. Aber vielleicht ist es für eine Fernsehanstalt des öffentlichen Rechts auch nur sehr moderat möglich, in Bewegung zu kommen und die „Problemkinder“ für den Fernsehkonsum zu gewinnen? Ein bisschen innovativ, ein bisschen mutig eben. Egal, Hauptsache sie gucken. Irgendwie. Programmdirektor Thomas Bellut will abwarten, wie dieses Projekt ausgeht, und dann eventuell ein ähnliches Prozedere für das ZDF-Hauptprogramm starten.

Aber vielleicht denken die Fernsehmacher ja noch um und entscheiden demnächst wieder selber, welches Format das Allerbeste ist. Das haben sie gelernt. Und das ist ihre Aufgabe. Denn der Wettbewerbssieger kann, muss aber nicht ein Knaller werden. Andrea Tebart

„TVLab“, ZDF Neo, 22 Uhr 30

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