TV-Experten : "Hauptsache mit Biss"

Ex-Fußballprofi Oliver Kahn gibt heute an der Seite von Johannes B. Kerner seinen Einstand als TV-Experte. Auftrittscoach Désirée Bethge spricht mit dem Tagesspiegel über Blondinen im Fernsehen und sagt, worauf Kahn besonders achten sollte.

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"Zwei Blondinen halt": Oliver Kahn und Johannes B. Kerner. -Foto: dpa

Der Spieler Oliver Kahn liebte es, bei Interviews streng am Fragesteller vorbei in die Ferne zu schauen, fast zwei Jahrzehnte lang. Jetzt ist er selbst TV-Experte. Was sagen Sie als Auftrittscoach dazu: Muss man Zuschauern und Moderator direkt in die Augen schauen?

Wo auch immer Oliver Kahn hinschaut, Hauptsache, er kopiert nicht die professionelle, wohl temperierte Allwetterwaffe des ZDF. Wenn er dann auch noch den Zuschauer beziehungsweise Frager anschaut, umso besser.

Aber ist das dann noch authentisch, überzeugend, souverän?

Was heißt denn schon authentisch? Für die neue Rolle muss Kahn erst mal finden, was sozusagen „seins“ ist.

Kommt man dabei mit dem üblichen Sportreporter-fragen-Fußballspieler-antworten-Vokabular überhaupt als Fernsehexperte aus?

Mal ehrlich: Der Wortschatz des gemeinen Sportreporters zeichnet sich ja ohnehin nicht durch Varianz, Vielfalt und Eleganz aus. Da ist Oliver Kahn prima aufgestellt. Der Mann hat Abitur, kann unfallfrei Sätze mit Subjekt, Prädikat, Objekt formulieren. Er ist fürs Expertentum geradezu prädestiniert.

Die Frage ist nur: wie. Eher gemächlich wie Günter Netzer im Ersten im innigen Zusammenspiel mit Gerhard Delling oder eher flott-kernig wie Jürgen Klopp, Kahns Vorgänger beim ZDF.

Er soll’s einfach machen wie Oliver Kahn. Wir hätten ihn gern mit Biss, das kann er ja. Sprich: emotional. Außerdem natürlich analytisch, klar und ohne Rücksicht auf Verluste, sprich alte Freundschaften, Seilschaften oder was auch immer. Und dafür muss man ihm ein bisschen Zeit lassen.

Kahns alter Bayern-Kollege Mehmet Scholl doziert jetzt auch forsch fürs Erste.

Ja. Und Scholl war am Anfang auch noch ziemlich unsicher.

Noch mal zurück zu Jürgen Klopp, der ist mit seinem Dreitagebart-Image und seiner lockeren Körpersprache ja recht attraktiv. Ist Neu-Experte Oliver Kahn in dieser Hinsicht eher ein Gewinn oder ein Verlust für die Zuschauerinnen?

Ich guck’ da mehr auf die Gesamtoptik und sage mir: Kahn und Kerner, naja, zwei Blondinen halt! Meine Mutter sagt immer, wenn ich in meiner Oberflächlichkeit über Äußerlichkeiten lästere: „Das Aussehen ist nicht so wichtig, Kind, der Mensch hat innere Werte.“ Meine Antwort: „Lass ihn wenden …“

Wer ist Ihr Lieblings-TV-Experte? Und wen können Sie gar nicht ertragen?

Ich kann bei Fernsehexperten vor allem Dreierlei nicht leiden: Aufgeblasenheit, Selbstdarstellerei und Angeberei. Suchen Sie sich welche aus, Experten gibt es ja genug.

Das ist es ja. Man könnte mal auf den Gedanken kommen, ob es so viele Fußballexperten und ehemalige Profis mit dem Mikrofon vor der Nase überhaupt noch braucht.

Wieso das denn? Das ist doch nur einer mehr. Bei gut 25 Millionen deutschen Experten trägt das doch nicht auf. Denn jeder Mann weiß, wie Kicken geht. Besser als die Spieler, die Schiedsrichter und natürlich die TV-Experten.

Manche Zuschauer sind des ewigen Gelabers überdrüssig und wollen nur das eine: das Spiel sehen.

Männer haben es im Blut und lassen gerne jeden an ihrem Wissen teilhaben – egal, ob Frau, Mann, Hund oder Katz. Das Expertengelaber gehört zum Fußball einfach dazu, wie der Ball ins Tor, die Seitensprünge in der „Bunten“ und ab heute der Kahn zum Kerner.

Das Gespräch führte  Markus Ehrenberg.

Désirée Bethge, Moderatorin (ZAK,  Focus-TV), Managementtrainerin, Auftritts- und TV-Coach (im Internet: www.image-x.tv)

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