TV-Film : Gnadenlos gut

Wie Christine Neubauer in der ARD mal wieder Afrika rettet.

Hendrik Feindt
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Im Einsatz. Als Hanna stiftet Christine Neubauer Versöhnung in Namibia. Foto: ARDDEGETO FILM

Regina Ziegler, eine der hierzulande erfolgreichsten Produzentinnen, hat Christine Neubauer einmal als eine Schauspielerin bezeichnet, die garantiert gute Quoten bringt. „Da ist man immer auf der richtigen Seite“, sagte sie in einem früheren Gespräch mit dem Tagesspiegel. Dieses Mal ist die richtige Seite auf dem afrikanischen Kontinent lokalisiert. „Meine Heimat Afrika“ heißt der von Ziegler finanzierte Film mit Christine Neubauer in der Hauptrolle.

Afrika ist im Kommen, nicht allein sportpolitisch wegen der Fußballweltmeisterschaft 2010 in Südafrika. Schon in Kürze wird auf den Kinoleinwänden Albert Schweitzers „Leben für Afrika“ zu sehen sein. Und auf dem heimischen Bildschirm kommt nun die Wiederentdeckung einer spätkolonialen Heimat gelegen: zumal wenn die Neubauer genau genommen eine Deutsche mit Migrationshintergrund spielt, gebürtig aus Namibia, ehemals Deutsch-Südwestafrika, und von dort im Alter von drei Jahren von ihrer Mutter nach München verschleppt.

Mütter haben hier offenbar kein gutes Spiel – Afrika ist die Stätte der guten Väter: zum einen ein freundlicher Weiser und Ältester aus dem einheimischen Stamme der Nama, zum anderen ein vor langer Zeit zugezogener Deutscher, auf dessen Spuren sich seine Tochter begibt.

Bäcker war sein Beruf (Friedlicheres hätte den Drehbuchautoren Susanne Beck und Thomas Eifler kaum einfallen können), und selbstredend lautet sein Familienname auf „Engel“. Wenn dann noch die Tochter allseits Versöhnung stiftet und alle skrupellosen Investoren ausbootet, die dem Landstrich ein Luxusfreizeitambiente mit Nostalgie-Touch abgewinnen wollen, ist die Idylle mehr als vollkommen.

Kein Zerwürfnis trübt das Verhältnis von Schwarzen und Weißen. Dünensand wächst über die wahrhaft malerischen Ruinen einer ehemaligen Siedlung von Diamantengräbern. Und dass aufständische Mitglieder des Volksstamms der Nama vor 100 Jahren von deutschen Kolonialherren in eigens errichteten Lagern unter mörderischen Haftbedingungen interniert waren, bleibt ein Gegenstand allenfalls historischer Studien sowie bilateraler Verhandlungen und Reparationen – jedoch nicht eines Fernsehfilms zwei Tage vor Heiligabend. Hätten wir anderes erwarten dürfen? Hendrik Feindt

„Meine Heimat Afrika“, 20 Uhr 15, ARD

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