TV-Film : „Mama arbeitet wieder“

Arte-Film weiß eine Lösung für Vater-Mutter-Kind.

Katrin Hillgruber

Eine sommerliche Bilderbuchlandschaft im Badischen. Eigenheim reiht sich an Eigenheim, die nahen Weinberge bieten kurzfristig Auslauf vor der sozialen Kontrolle in der Neubausiedlung. Jede der gutsituierten jungen Mütter hier hat mindestens zwei Kinder. Morgens winken sich die Nachbarinnen zu und führen stolz ihren Nachwuchs vor, wenn sie den berufstätigen Ehemann und Ernährer mit Küsschen verabschieden. Auch der Bauingenieur Mark Vogt ist stolz auf seine „traditionelle Kleinfamilie“: Ehefrau Corinna, die ihr Studium der Betriebswirtschaft mit dem Master of Business Administration in London krönte, bleibt seit der Geburt des zehn Monate alten Sohnes Jakob zu Hause. Die lebhafte Tochter Lilly (ohne jede Kamerascheu: Lea Kolditz) besucht den Kindergarten. Marks Firma steht kurz davor, den Zuschlag für ein Sportstadion in Dubai zu erhalten, er soll das Projekt vor Ort betreuen.

Das alles wäre kein Problem, würde sich nicht Corinnas Chef Borghausen (Peer Jäger) eines Tages wieder bei ihr melden: Ein Großkunde aus Brasilien ist abgesprungen, und der neue Investor Smith & Taylor will den deutschen Standort schließen. Die Firma kann nur durch ein von Corinna entwickeltes Sanierungskonzept gerettet werden. „Borghausen braucht Hilfe“ – diese drei Worte aus dem Mund der strahlenden jungen Mutter markieren den Übergang von der Schürze zum Businesskostüm, von der patriarchalischen zur modernen Familie. Als Corinna dann auf ihre zwei kleinen Kinder verweist, meint ihr Chef nur, das sei doch heute kein Problem mehr, in Frankreich arbeiteten achtzig Prozent der Mütter. Der ständige Hinweis auf das fortschrittliche Nachbarland zieht sich als roter Faden durch einen Film, der sämtliche Klischees aus der Weichspüler- und Margarine-Werbung bedient.

„Mama arbeitet wieder“ in der Regie von Dietmar Klein nach einem Drehbuch von Kristin Derfler könnte anstandslos als Auftragsproduktion aus dem Bundesfamilienministerium durchgehen, wäre da nicht das differenzierte Spiel der beiden Hauptdarsteller. Anna Schudt schwankt glaubwürdig zwischen ihren Rollen als gutmütige, aber entschlossene „Familienmanagerin“ und als Controllerin Corinna. „Was kontrollierst du? Fahrkarten?“ muss sie sich einmal von ihrer naiven Umwelt fragen lassen. Ihr Mann Mark dagegen, gespielt von Tim Bergmann, erscheint von Anfang an eher als Instinktmensch, als im Grunde seines Herzens undressierter Mann, dem der Einsatz für die Familie ja nicht zu weit gehen darf. „Besteht die Gleichberechtigung darin, dass wir beide unsere Kinder nur noch zum Gutenachtkuss sehen?“, herrscht er seine Frau an, die Borghausens dringende Bitte um ihren Wiedereinstieg nicht ablehnen will.

Widerwillig vereinbart Mark mit seinem Arbeitgeber, einem Macho alten Typs, einen Teil seiner Planungsarbeit zu Hause zu verrichten. Als die Tagesmutter wegen heftigen Liebeskummers den kleinen Jakob bei ihm auf der Baustelle abgibt, um zu ihrem Freund zu eilen, wird spürbar, dass er die Parade mit Baby vor seinen aufgereihten Kollegen als Spießrutenlauf empfindet. Mark sieht sich von den einfachsten Hausarbeiten überfordert, während seine Frau in England erfolgreich für den Erhalt ihrer Firma streitet. Dabei trifft sie auch einen Verehrer aus gemeinsamen Studientagen wieder.

Die badische Modellehe gerät immer dramatischer in die Krise, bis Mark sogar in die Musterwohnung auf seiner Baustelle einzieht. Denn bei seinem Freund und Quartiergeber Robert, einem alleinstehenden Ghostwriter mit Hund, hält er die theoretischen Diskussionen über die ideale Partnerschaft bald nicht mehr aus. Doch nicht nur das Familienministerium, auch der stromlinienförmige Mehrgenerationenfilm empfiehlt in solchen Fällen ein Happy End. Katrin Hillgruber

„Mama arbeitet wieder“, 21 Uhr, Arte

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