TV-Film : Scheidung für Anfänger: Eine etwas andere Komödie im Ersten

Scheidungen sind nicht komisch, nicht im Grundsatz - und auch nicht im Fernsehen. Nur die Spielfreude der jungen Darsteller trägt diesen Film.

Markus Ehrenberg

Eine Scheidungskomödie? Die Ankündigung für den Primetime-Film am Mittwochabend im Ersten verwundert. Scheidungen sind meistens tragisch, Scheidungen sind Verletzungen, sind Wunden, über die sich kaum hinweg lachen lasst, schon gar nicht als betroffenes Kind. Von daher kommt einem der siebenjährige Felix, der die ehrgeizige Idee seiner Eltern, die Obhut ihres Sohnes nach der Trennung im Wechsel Woche für Woche zu tauschen, launisch aus dem Off kommentiert, schon mal ziemlich seltsam vor. Ein Kind, zwei Wohnungen, zwei Kinderzimmer, zwei Betten, zwei Zahnbürsten – das ist unglaubwürdig, werden manche sagen. Andere: Mal ein hübscher Einfall, den Egoismus, die Kränkungen, Schuldzuweisungen und Eitelkeiten der gar nicht so fürsorglichen Eltern auf die Spitze zu treiben. Spätestens, wenn die Mutter Miriam (Tanja Wedhorn) weinend mit Sohnemann im Bett liegt, weil Papa (Hans-Jochen Wagner) eine Neue hat, dürfte klar sein, dass der Ansatz so einer gerechten Kinderteilung realistischerweise gar nicht aufgehen kann. Auch nicht mithilfe des Therapeuten oder der türkischen Großfamilie in Papas neuem Wohnviertel, von der Felix erstaunlicherweise am meisten Unterstützung erfährt. Die Moral von der Geschicht’: Um seine Kinder in Scheidungsfällen vor Schaden zu bewahren, sollten sie doch besser nach ihrer Meinung gefragt werden.

Regisseur Martin Gies hat – gerade wieder in Zeiten des Geburtenrückgangs – eine unambitionierte, verhinderte Scheidungskomödie hingelegt, deren etwas dahinplätschernder Plot (Buch: Silke Zertz) von der Spielfreude der jungen Darsteller getragen wird, allen voran der zehnjährige Jannis Michel. Scheidung mit einem Kind wie Felix – das geht am besten gar nicht. meh

„Woche für Woche“, ARD, 20 Uhr 15

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