TV-Gebühren : Doppelte Verweigerung

Das öffentlich-rechtliche Gebührenfernsehen weiß nicht, wie es die Zukunft gewinnen will. Ein Kommentar von Joachim Huber.

In den Großstädten ist das Problem richtig massiv. Bis zu 25 Prozent der Haushalte zahlen in Berlin, Frankfurt am Main oder München keine Rundfunkgebühren mehr. Es gebe, stellt der aktuelle Bericht der KEF (Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs von ARD und ZDF) fest, eine zunehmende Verweigerungshaltung.

So wenig akzeptabel das zumeist vorgebrachte Argument für das Schwarzsehen ist – Warum soll ich bezahlen, was ich nicht nutze? –, so alarmierend ist für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk der dahinterliegende Befund. Die Resonanz der Programme, die Akzeptanz der Zwangsgebühr ist dramatisch gesunken. Beileibe nicht überall, doch haussierend in der Gruppe der Jungen und Jüngeren.

Schalten die 14- bis 49-Jährigen ein, sehen sie privat: In der Top-100-Liste der meistgesehenen Sendungen 2009 landeten 91 Beiträge von RTL bis Sat 1 und neun von ARD und ZDF. Nachrichten wie „heute“ haben in dieser Zielgruppe gegen „RTL aktuell“ nur geringe Chancen. Die Zuschauer von ARD und ZDF sind im Schnitt 61 Jahre, getoppt von den Dritten mit 62. Pro Sieben hält bei 35, RTL bei 45 Jahren. Sollten die Öffentlich-Rechtlichen darauf setzen, dass sie zwar nur wenig junges, dafür aber das schlaue junge Publikum haben, dann geht auch diese Hoffnung fehl. Anders als beim Alter unterscheiden sich beim Bildungsgrad die Zuschauer von „TV total“ (Pro Sieben), „Big Brother“ (RTL 2) und „Hart aber fair“ (ARD) nicht.

Wer solche Fernsehpräferenzen ausgebildet hat, wer glaubt, dass seine werbefinanzierten Programme in der Nutzung quasi nichts kosten, wer sich die Gratiskultur des Netzes als generellen Habitus aneignet, der ist für ARD und ZDF, die das Aroma altbackener, uncooler Angebote verströmen, verloren.

Durch das Publikum geht ein „Senioren-Graben“, der sich von Jahr zu Jahr vertieft. Da wird keine Online-Offensive, da wird kein „Tagesschau“-App helfen, Fernsehen wird im Fernsehen entschieden. Und je mehr sich diese Gewohnheit zur Konstanten verfestigt, desto rigoroser, rabiater wird auf die Zwangsabgabe reagiert. Die Verweigerung der Zahlung folgt aus der Verweigerung der Nutzung. Ein Rätsel, wie das Gebührenfernsehen seine Zukunft gewinnen will.

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