TV im Internet : Wege zum Glück

Das Fernsehen der Zukunft: ZDF-Intendant Schächter setzt auf Fußball, Internet und digitales Fernsehen.

Joachim Huber

Die Luft für die „Sportschau“ am Samstag wird dünner. Sobald die Rechtepakete für die Fußball-Bundesliga ab der Saison 2009/2010 auf den Markt kommen, rechnet jedenfalls ZDF-Intendant Markus Schächter mit einem „Samstagsspiel, das um 17 Uhr 15 oder um 18 Uhr 15 angepfiffen wird.“ Die ARD-Sendung beginnt derzeit um 18 Uhr 30 und fasst sechs Begegnungen zusammen. Auch der Sonntag wird in der Erwartung von Schächter, wie er in einem Gespräch am Montag in Mainz sagte, nicht so bleiben, wie er ist: Die Liga werde die Zahl der Sonntagspartien von zwei auf drei erhöhen. Natürlich, betonte Schächter, kenne auch er noch nicht die Ausschreibung der Deutschen Fußball Liga (DFL), doch sei für jeden erkennbar, dass die angekündigten Erlöse bei den Inlandsrechten von mindestens 500 Millionen Euro pro Saison ohne eine weitere Verbreiterung der Angebote nicht denkbar seien. Mehr Anstoßzeiten für mehr Geld, das ist die DFL-Formel.

Die Position des eigenen Senders umriss Schächter mit „Highlight-Berichterstattung“. „Wir sind an der Zweit- oder Drittverwertung eines Bundesliga-Spieltages interessiert.“ Er sehe kein ZDF-Programm ohne ein „Aktuelles Sportstudio“ nach 22 Uhr, wohl wissend, dass bei einem dritten Sonntagsspiel die Wertigkeit der Sendung leiden werde. Der Intendant kann sich keine „preistreibende Konkurrenz mit der ARD“ vorstellen, sollte es um die zeitnahe Erstverwertung der Liga im Free-TV gehen. Schächters Blick geht weiter: Im ersten Halbjahr 2008 kommen neben der Bundesliga die Rechte für den DFB-Pokal, die Länderspiele der Fußball-Nationalmannschaft, der Uefa-Pokal und die Champions League auf den Markt. Die Prioritäten des ZDF lägen bei Bundesliga, Pokal und Länderspielen. Die Champions League nannte er „nachrangig“, umgekehrt erwartet er bei der ARD heftiges Interesse an der „Königsklasse“ der Klubmannschaften, sollte das Erste die „Sportschau“ verlieren.

Beinahe wäre am 3. März 2008 die Revolution ausgebrochen. Beinahe hätte ZDF-Intendant Markus Schächter die erste Kooperation eines öffentlich-rechtlichen Senders mit einem Printverlag im Online-Bereich in allen Details bekannt geben und vorführen können. Zu 99,8 Prozent sei man einig gewesen, sagte der ZDF-Chef, dann seien Probleme mit den Eigentümern des Unternehmens – branchenintern war vom Süddeutschen Verlag die Rede – aufgetaucht. So wird die Vereinbarung zwischen der WAZ und dem WDR die erste „Online-Hochzeit“ zwischen Fernsehen und Print sein, ein Bund, den Mitte März immerhin NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers einsegnen will. Schächter konnte darauf hinweisen, dass wenigstens zehn Verlage an den Bewegtbildern des ZDF für die jeweiligen Online-Portale interessiert seien. Ein Deal zum gegenseitigen Nutzen, die Qualität der Texte soll mit der Qualität der Bilder zusammenfallen. „Beide Partner müssen gewinnen“, sagte Schächter. „Das ZDF ist an jeder Form einer pragmatischen Zusammenarbeit mit den Printhäusern interessiert.“ Ganz wichtig sind für den öffentlich-rechtlichen Sender zwei Punkte: Das ZDF-Material darf vom Printpartner in keinem werblichen Umfeld verwendet werden, zugleich werde über Verlinkung und Lizensierung „ein geldwerter Vorgang ausgelöst“ – das ZDF wird über seine kommerziell ausgerichtete Verwertungstochter ZDF Enterprises Einnahmen erzielen. „Unsere Bewegtbilder sind nicht kostenlos“, sagte Schächter.

In welchem Umfang Geld eingenommen wird, das wollte der ZDF-Chef nicht sagen. Es wird nicht bei der Zusammenarbeit mit Zeitungshäusern bleiben. Vorstellbar sei ein Schulportal gemeinsam mit einem Schulbuch-Verlag. Worum es dem Sender in der künftigen Online-Welt geht: Die Programmschätze in Form eines über 40 Jahre gefüllten Archivs online zu „verflüssigen“. Ohne Hindernisse wird das nicht gehen. Da ist unter anderem die Frage, ob ein Medienhaus wie das ZDF die bereits vom Gebührenzahler finanzierten Beiträge und Filme kostenfrei oder kostenpflichtig ins Netz stellen soll. Die ZDF-Mediathek bietet bisher Programme bis sieben Tage nach der Erstausstrahlung zur Nachnutzung an.

Im August 2009 nimmt das ZDF die Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Berlin zudem zum Anlass, die Testphase für das hochauflösende Fernsehen (HDTV) in Deutschland zu beginnen. Mit Februar 2010 soll zusammen mit der ARD der Regelbetrieb für HDTV aufgenommen werden, das zweite Programm will dann zunächst 25 Prozent seines Angebotes in brillant-scharfen Digitalbildern ausstrahlen. Bereits Ende dieses Jahres wird Technikgeschichte geschrieben: Der Zeitpunkt bedeutet den endgültigen Abschied von der analogen Terrestrik, via Antenne kann Fernsehen dann nur noch im DVB-T-Standard empfangen werden.

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