TV-Interesse an EM 2016 : WhatsApp statt Packing-Analyse

2,6 Millionen TV-Zuschauer bei Wales gegen Russland, vergleichsweise geringe zehn Millionen Fans beim Spiel Slowakei-England: Die Fußball-EM hat ein Aufmerksamkeitsproblem.

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Der Sieg der Waliser gegen Russland - im Bild Gareth Bale aus Wales - lockte in Deutschland nur 2,6 Millionen Zuschauer vor die Fernseher.
Der Sieg der Waliser gegen Russland - im Bild Gareth Bale aus Wales - lockte in Deutschland nur 2,6 Millionen Zuschauer vor die...Foto: dpa

„Wer spielt denn heute überhaupt?“ Diese Frage hört man erstaunlich häufig während der Vorrunde der Fußball-EM. Dabei gehören die Fragenden keineswegs immer zu den Fußball-Unkundigen. Neuerdings kommt sie auch von Fußballfans, mit denen sich nach Klärung der Frage schnell ein Fachgespräch über Tiki Taka, Iniesta und Co. entspannt.

Aufmerksamkeitsökonomisch hat es diese EM bislang ungewöhnlich schwer. Dies liegt nicht nur an den Spielen, von denen viele bislang von bescheidenem Niveau sind und manch dritte Halbzeit nachrichtlich in den Vordergrund rücken lassen. Dies liegt auch an der Verteilung der Aufmerksamkeit auf konkurrierende Medien: Fußball ist und bleibt ein Fernsehereignis. Doch auch das Fernsehen bekommt vom kostbaren Kuchen Aufmerksamkeit ein immer kleiner werdendes Stück ab.

Während 2,6 Millionen Zuschauer am Montag den Wales-Sieg gegen Russland sahen, kam Slowakei–England im Ersten auf rund zehn Millionen Fans. Ein Tiefstwert für die ARD. Und auch wenn der Fernseher nebenbei läuft, heißt das nicht, dass die parallel stattfindende Whatsapp- Kommunikation auf dem Smartphone nicht mehr Aufmerksamkeit bindet als die neuerdings so beliebte Packing-Analyse in der Halbzeitpause.

Andere Themen erscheinen wichtiger

Hinzu kommen konkurrierende Themen – ob nun drohender Brexit oder Flüchtlingskrise – die den Menschen wichtiger erscheinen. „Was interessiert mich die EM, hier geht es um meine Zukunft“, sagte sinngemäß ein Franzose während der Proteste gegen die Arbeitsmarktreform in Paris. Spiele ohne Brot, das funktioniert nur bedingt. Für die Olympischen Spiele in Rio deuten sich ähnliche Entwicklungen an.

Dass am Dienstagabend Deutschland gegen Nordirland auf dem Programm stand, haben dann doch viele mitbekommen. Und ab dem Achtelfinale wird alles besser. Bestimmt.

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