TV-Koch Mälzer : Klecker-Maxe

Nicht genug, dass Tim Mälzer fast täglich im Vorabend-Programm nach dem Motto "schmeckt nicht gibts nicht kocht" - jetzt tourt er mit seiner Show „Born to Cook“ durch die Lande. Dabei schont der TV-Koch nichts und niemanden.

Bernd Matthies
Tim Mälzer
Tim Mälzer kocht was das Zeug hält. -Foto: Promo Vox

Die Welle der Kochsendungen hat beim Durchqueren Deutschlands ein paar Endmoränen hinterlassen, die nun verstockt im Programm herumliegen und einfach nicht mehr wegzukriegen sind: Zweckfreies Schwatzotainment bei Kerner, seriöse kulinarische Lebenshilfe in den Regionalprogrammen, dazu der Seniorenversteher Vincent Klink und seine Kumpel im „ARD-Buffet“. Die Privaten pflegen Doku-Formate nach dem Muster „Coole Profis retten Frittenbude vor dem Ruin“, die ganz erfolgreich zu sein scheinen; die Big-Brother-Variante „Teufels Küche“ dagegen wurde zu Recht vergessen und vergraben.

Und es gibt, ganz oben drüber, Tim Mälzer. Der Pfannen-Proll, ein Jamie-Oliver-Klon ohne Sprachbarriere, ist nach längerem Wirken im Vorabendprogramm von Vox unfassbar populär und hat, was man gern „Bildschirm-Präsenz“ nennt – er kann also aus dem Stand exakt in Richtung der jeweils eingeschalteten Kamera quasseln. Kein Wunder, dass er als Erster den heiligen Gral der aktuellen TV-Unterhaltung öffnen darf: die lange Primetime-Kochshow mit integriertem Quiz. „Born to cook“ ist am heutigen Freitag bei Vox erstmals zu sehen. Die Tim-Mälzer-Versorgungslücke am Vorabend wird dann von „Ganz & Gar“ mit Steffen Henssler gestopft.

Die Mälzer-Macher zielen unter Umgehung des Kopfes direkt auf die kollektive Magengrube und tiefer – das zeigen schon die Details von der Heavy-Rock-Intro bis zum Vokabular Mälzers, der die nicht mehr werberelevanten Zuschauer früh mit knappen Sätzen aus der Show jagt: „Wie heißt das Scheißzeug? Pimpinelle.“ Wer ihm zuschaut, wie er mit ein paar Handgriffen seinen Arbeitsplatz mit grüner Sauce überschwemmt und dann kleckernd durchs Studio hastet, der ahnt schon, dass hier Kochen nicht im kulturell-kulinarischen Sinn verstanden wird, sondern als Jux für kichernde Jungerwachsene, die noch ein Förmchen im Buddelkasten liegen haben.

Oh, es kommt auch Bildungstreibgut zum Einsatz. Lachanophobie ist die Angst vor Gemüse, und Himbeersorbet hat angeblich immer minus fünf Grad, solche Sachen erfahren wir aus einer der planlos eingestreuten Quizfragen. Ab und zu darf sich auch der ernste Kulturwissenschaftler Gunther Hirschfelder einbringen, jedenfalls so lange, bis ihm Mälzer das Wort abschneidet und hektisch eine neue Runde auf dem Küchenparcours anreitet. Dort stehen zweimal drei Kandidaten herum, deren einziger Zweck darin besteht, kreuz und quer durchs Studio geschoben und nach je einem halben Satz unterbrochen zu werden; gelegentlich dürfen sie auch ein paar Möhren oder Auberginen massakrieren und sich für das ungelenke Ergebnis veralbern lassen.

Dabei fällt nichts ab, was sich auch nur annäherungsweise als Rezept beschreiben ließe, aber das dürfte bei dieser Art des Kochens ohnehin überflüssig sein – hier sähe schon das sachgerechte Anrühren einer Tütensuppe vergleichsweise wie die Vorbereitung eines Staatsbesuchs aus. Richtig fertig wird nichts, aber Mälzer trägt dennoch unentwegt Teller durchs Publikum, auf die irgendwer irgendwas draufgeklatscht hat. Er turnt herum, schwadroniert und räumt ein paar billige Lacher ab, bis endlich feststeht, was mit der Parole „Kühlen oder spülen“ gemeint ist. (Nein, es lohnt die Beschreibung nicht.) Das längst verblichene Vox-Kochduell, oft geschmäht, verhält sich zu dieser lärmenden Narretei wie Harald Schmidt zu DJ Ötzi.

Um aber nicht nur zu kritisieren: Es tauchen in der ersten Folge weder Sarah Wiener noch Johannes Lafer auf, und niemand trägt einen gezwirbelten Schnauzbart, das ist mehr, als sich von vielen anderen Kochsendungen behaupten lässt. Dafür erscheint ein zauselhaariger „Molekularkoch“, der es an Unterhaltungswert locker mit Dr. Honigtau Bunsenbrenner aus der Muppet-Show aufnehmen kann. Es wäre also zweifellos möglich, in Zukunft auch das Niveau von „Born to Cook“ noch zu unterschreiten. Allerdings wird man dazu Köche öffentlich hinrichten müssen.

„Born to Cook“, Vox, 21 Uhr 05

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