TV-Komödie : Trabi im See

Katja Flint und Axel Milberg spielen ein Paar, das von der Stadt aufs Land zieht - und dabei nicht nur die Hühner aufscheucht.

Barbara Sichtermann
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Foto: WDRWDR-Pressestelle/Fotoredaktion

Wenn richtig viel passiert, wird es schon irgendwann komisch. So denken Komödienmacher gern – diesmal: Matthias Steurer (Regie) und Rainer Kaufmann, Lothar Kurzawa (Buch) –, und so schufen sie das Genre des Trubel-Films. Es muss pausenlos etwas geplant, durchkreuzt, versucht, vergeigt und in den Sand gesetzt werden, möglichst so schnell und so vielfältig, dass der Zuschauer sich mangels Überblick ins Lachen flüchtet. „Liebling, weck die Hühner auf“ ist ein gemäßigter Trubel-Film unter rücksichtsvoller Regie, man kommt schon noch mit. Aber es passiert doch mehr Unglaubliches und Unglaubwürdiges, als man zu kaufen bereit ist. Doch komisch wird es trotz des Trubels nicht wirklich.

Wer sich noch an „Liebling, bring die Hühner ins Bett“ von 2002 erinnert, kennt die Vorgeschichte. Familie Teuffel ist von Berlin nach Brandenburg aufs Dorf gezogen. Hühner laufen dort reichlich rum, auch hier im zweiten Teil werden sie liebevoll inszeniert, samt Hahn, der den Tag einkräht. Papa Steffen (Axel Milberg) ist Schriftsteller und als solcher nicht unbedingt auf urbane Infrastruktur angewiesen. Seine Frau Beate (Katja Flint) führt die örtliche Getränkefirma und benutzt angebotene Erfrischungen nie zum Durstlöschen, sondern zum Mixen neuer Säfte, die das Geschäft beleben sollen. Sohn Kai (Ludwig Blochberger) hat immer noch keinen Ausbildungsplatz gefunden und Tochter Lisa (Cornelia Gröschel) noch keinen Ritter, der sie von ihrer Jungfernschaft erlöst. Nesthäkchen Sophie, eine niedliche Göre im Vorschulalter, erzählt die Geschichte.

Wie es sich für eine Komödie gehört, lügen, betrügen, verschweigen und scheitern die Helden, dass es nur so raucht. Der Papa hat die Schriftstellerei offenbar satt, denn er macht ganz etwas anderes. Er kauft einen Weinberg, will Brandenburger Trauben kultivieren. Seiner Frau sagt er nichts davon. Man ahnt schon: Das gibt eine saftige Auseinandersetzung, wenn’s rauskommt. Die Mama mixt Getränke und empfängt den Besuch eines Ex-Liebhabers. Vorsicht, es knistert noch. Beate fragt ihren Sohn (ziemlich unwahrscheinlich, dass eine Frau so was macht): „Könntest du dir vorstellen, dass ich eine Affäre habe?“ Kai meint, sie sei nicht durchtrieben genug. Und Lisa lädt einen Knaben zur Defloration ein, der sich ausgerechnet tags zuvor in eine andere verknallt hat. So ein blödes Pech aber auch! Da unternimmt Klein-Sophie etwas, das den ultimativen Trubel auslöst: Sie kommt mit einem goldenen Napoleon-Taler daher und behauptet, ihn im See gefunden zu haben. Zuerst versuchen der Pfarrer (sinnfrei gegen den Typ besetzt mit Andreas Schmidt) und der Bürgermeister, die Sache geheim zu halten, da sie selbst den dort vermuteten Schatz aus dem See bergen wollen. Aber die Sensation spricht sich rum, und die Dörfler ziehen geschlossen mit Taucheranzügen und Schaufeln los und stochern im See. Finden aber nur einen alten Trabi.

Die Geschichte in allen ihren Verzweigungen, so viel sei verraten, geht gut aus. Alles an dem Film ist lieb, nett und harmlos, wenn nicht überflüssig. Man kann die kleine Sophie verstehen, die angesichts des von ihr eher aus Versehen ausgelösten leerlaufenden Trubels im See sinniert. „Ich frage mich manchmal, ob es sich wirklich lohnt, erwachsen zu werden.“ Barbara Sichtermann

„Liebling, weck die Hühner auf“, ARD, 20 Uhr 15

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