TV-Konsum : Parteianhänger: Wer schaut was?

Die Linken beschäftigen sich gerne mit dem Kapital und schauen „Wer wird Millionär“. NPD-Anhänger sehen die „Simpsons“ - welche Sendungen die Anhänger der verschiedenen Parteien am liebsten einschalten.

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Foto: promo

Die Macher der ARD-„Tagesschau“ können sich freuen. Die Ausgabe um 20 Uhr ist nicht nur die meistgesehene Nachrichtensendung im deutschen Fernsehen, das Format stößt auch bei den Anhängern der verschiedenen politischen Parteien auf das größte Interesse, sobald der Fernseher läuft. Dies geht aus der aktuellen Focus Markt-Media-Studie Communications Networks 14.0 zu „Parteien und TV“ hervor. Den Spitzenwert bei der „Tagesschau“ halten die Sympathisanten von CDU/CSU mit 53,8 Prozent, die SPD-Anhänger folgen knapp dahinter mit 50,4 Prozent. Bei der Linken kommt die „Tagesschau“ auf 46,1 Prozent, bei der FDP auf 45 Prozent, bei Bündnis 90/Die Grünen auf 41,2 Prozent. Bei den Sympathisanten von NPD/DVU/Republikaner stürzt der Wert auf 11,5 Prozent ab, die Rechtsextremen erwarten von der „Tagesschau“ offenbar keine guten Nachrichten, schon gar nicht über die eigenen Parteien. Dass es einen erkennbaren Zusammenhang zwischen parteipolitischer Nähe und Interesse an Nachrichten gibt, belegt der Wert bei den Zuschauern, die keiner Partei nahestehen. Da kommt die „Tagesschau“ auf nur 33,6 Prozent, was aber immer noch die Spitzenposition in der TV-Hitliste bedeutet.

Das Wetter kennt keine Parteien. Die Konservativen hängen mit über 32 Prozent an den Hochs und Tiefs, die Sozialdemokraten folgen mit knapp 29 Prozent, die FDP-Leute mit rund 28 Prozent, die Linken halten bei 23 Prozent. Die Bündnisgrünen halten wenig vom Tageswetter (21,4 Prozent), sie sind halt aufs Klima fixiert. Für NPD/DVU/Republikaner weist die Studie hier keinen Wert aus, wahrscheinlich hat sich der Rechtsextreme generell auf mieses Wetter eingestellt.

Was vom Gesamtpublikum stark eingeschaltet wird, das findet auch bei den Sympathisanten der verschiedenen Parteien seinen Niederschlag. „heute“ und „heute-Journal“ im Zweiten, der „Tatort“ und die „Sportschau“ im Ersten, das sind sehr beliebte Programme über die Parteigrenzen hinweg. „Wer wird Millionär?“, die RTL-Quizshow mit Publikumskönig Günther Jauch, landet selbstredend in der Spitzengruppe. Anhänger von CDU/CSU und SPD liegen hier mit 22,4 Prozent gleichauf, interessanterweise findet die Sendung mit dem „Herr Jauch, ich weiß was“-Gestus bei der „Streberpartei“ FDP nur mit 17,7 Prozent Nachhall, da ist der Bündnisgrüne mit 19 Prozent spürbar präsenter. Die Linken lieben Millionäre, jedenfalls halten sie mit 19,6 Prozent dem Jauch-Quiz die Treue.

Münzt man die erhobenen Werte auf das Fernsehprofil eines Partei-Zuschauers um, ergibt sich folgendes Bild. Beim Konservativen ist das Interesse an breitgefächerter Information einen Tick stärker ausgebildet, er fühlt sich bei ARD und ZDF entschieden besser aufgehoben als bei den Privatsendern wie RTL oder Pro 7. Auch beim sozialdemokratisch gesinnten Fernsehpublikum liegen Nachrichten vorne, signifikant ausgeprägter ist das Interesse an „Serie/Spannung“. Die „Soko“-Krimis im ZDF, aber auch „CSI: Miami“ und „Dr. House“ (beides RTL) liegen dabei vorne. Beim Bündnisgrünen fällt auf, wie sehr viel mehr als die anderen parteiischen Zuschauer er bei Comedyserie/Sitcom/Satire/Kabarett sein Vergnügen findet. Und es fällt auf, dass nur bei den Bündnisgrünen die RTL-Show „Deutschland sucht den Superstar“ unter den „Top 20“ landet. Ist das Klientel so jung, sind da die meisten Familien am Zuschauen oder will das Lehrerpublikum endlich mal erfahren, was ihre Schülerinnen und Schüler so umtreibt? „Die Simpsons“ (Pro 7) sind bei Bündnis 90/Die Grünen erste Zuschauerpflicht.

Paradox oder nicht, die US-Zeichentrickserie mit Homer, dem unverdrossenen Loser, ist beim rechtsextremen Publikum auf Platz zwei der TV-Hitliste, geschlagen nur noch von der US-Krimiserie „CSI: Miami“, wo die Spezifik und die Aufklärung der Fälle durchaus Law-and-Order-Charakter haben. „CSI: Miami“ findet übrigens parteiübergreifend seine Zuschauer.

Das FDP-Klientel sieht in der Regel jene Sendungen gerne, die alle gerne sehen, also Nachrichten, Wetter, „Millionär“, „Tatort“, „Sportschau“ und Serien.

Für die Links-Sympathisanten gilt: Neben Information und „Wer wird Millionär“ hat die Serie treue Fans. Die stark auf RTL zugeschnittenen Vorlieben reichen dabei von Seicht („Gute Zeiten, schlechte Zeiten“) über Spannung („CSI“) bis hin zu Action („Alarm für Cobra 11“). „Dr. House“, die exquisite RTL-Serie um den egomanischen Mediziner, stößt hier wie bei FDP und Bündnisgrünen auf starken Widerhall. Das Publikum von CDU/CSU lehnt den quälerischen „Dr. House“ offenbar ab, während er bei NPD/DVU/Republikaner sehr, sehr weit vorne landet und dabei weiter vorn als bei den Sympathisanten der übrigen Parteien. Heißt: Ein Fernsehprogramm kann sich sein Publikum nicht aussuchen.

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