TV-Krimi : Der Kommissar geht um…

Tolle Schauspieler, maue Bücher – der „Tatort“ hat ein Problem. Daran können leider auch Joachim Król und Nina Kunzendorf an diesem Sonntag nichts ändern.

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Große Entscheidung. Frank Steier (Joachim Król) und Conny Mey (Nina Kunzendorf) lösen in Frankfurt ihren zweiten Fall. Feldjäger Thomsen (Benno Fürmann, re.) hilft. Foto: HR Foto: HR/Johannes Krieg
Große Entscheidung. Frank Steier (Joachim Król) und Conny Mey (Nina Kunzendorf) lösen in Frankfurt ihren zweiten Fall. Feldjäger...Foto: HR/Johannes Krieg

Schon klar, die schlanke Kommissarin isst Sushi, trägt hautenge Jeans und liebt muskulöse Männer. Ihr Kollege hört Free Jazz, schläft im Büro auf dem Sofa und trinkt gerne einen über den Durst, weil er über seine Probleme nicht reden kann. Und zwischendrin löst sich ein Fall wie von selbst. Hat die Premiere des neuen Frankfurter „Tatort“-Teams Conny Mey (Nina Kunzendorf) und Frank Steier (Joachim Król) vor einem halben Jahr noch Lust auf mehr gemacht, lässt einen „Der Tote im Nachtzug“ recht ratlos zurück.

So verhalten schiebt Autor und Regisseur Lars Kraume das grandiose Gespann Kunzendorf/Król durch diesen Krimi, der nach dem Fund einer Leiche im Nachtzug aus Warschau selten an Fahrt aufnimmt. Zunächst sieht alles an der Geschichte – die nicht besser wird, weil sie „auf einem authentischen Fall basiert“ – nach Raubmord aus. Bald geht es noch um Medikamentendiebstahl, Drogen, zerplatzte Träume von heiler Familie und Bundeswehr in Afghanistan. Dann tauchen noch selbstherrliche Feldjäger im Rotlichtmilieu auf und führen die Ermittler wie im Comic-Stil an der Nase rum.

Zeit zum Innehalten, Zeit zum Nachdenken darüber, dass sich die Verantwortlichen in den ARD–Anstalten nicht nur darüber Gedanken machen sollten, welchen Schauspieler sie als nächsten Kommissar verpflichten, sondern auch darüber, wie sie ihn mit guten Stoff- und Figurenentwicklungen bei Laune halten. Maria Simon, Ulrich Tukur, Sibel Kekilli, Król und Kunzendorf, Matthias Brandt, demnächst wohl auch Til Schweiger und Devid Striesow, alles neue TV-Ermittler, alles Hochkaräter. Aber einzig Matthias Brandt und, mit Abstrichen, Maria Simon wurden mit ihren „Polizeiruf“-Krimis dem Anspruch gerecht, der sich mit dem Namen verbindet.

Der „Tatort“, das sei eine große Entscheidung, sagte Joachim Król Anfang Mai zu seinem Einstand als „Tatort“-Kommissar im Tagesspiegel-Interview. Wie wahr. Vielleicht ist „Der Tote im Nachtzug“ ein Ausrutscher. Manch einer wird die Kamera, die sich (Achtung, Ironie!) an den weiblichen Reizen der Filmfigur Conny Mey reibt, sogar gut finden. Vielleicht ist es mit dem „Tatort“ als Ritterschlag für jeden Schauspieler aber auch nicht mehr so weit her. Zuletzt war Jürgen Vogel stets als „Tatort“-Kommissar im Gespräch, seinem Kumpel Richy Müller folgend, der sich seit drei Jahren im Stuttgarter „Tatort“ versucht. Jürgen Vogel wäre zu wünschen, dass er sich voll und ganz auf seine tollen Fernseh- und Kinofilme konzentriert.

Was oder wer macht also einen guten „Tatort“ aus? Fragen wir die Zuschauer. Laut Media-Analyse ist das eben gefeuerte Ermittlerteam des Saarländischen Rundfunks gerade beim jungen Publikum sehr beliebt. Gregor Weber und Maximilian Brückner, vom Namen her ein anderes Kaliber als Til Schweiger oder Devid Striesow, belegen bei den 14- bis 49-Jährigen Platz zwei, hinter den Münsteranern.

„Tatort – Der Tote im Nachtzug“, ARD, 20 Uhr 15

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