TV-Krimi : Hart - und nicht herzlich

Sie gibt Anordnungen, ist kein Teamplayer, setzt nirgendwo ihre Weiblichkeit ein, scheut sich nicht, anzuecken: Senta Berger als Ermittlerin in "Unter Verdacht".

Elena Senft
Berger
Resolut. Eva Prohacek (Senta Berger) und André Langner (Rudolf Krause). -Foto:Arte

Mit Senta Berger wäre man gerne verwandt. Weil ihr Gesicht irgendwie immer ein bisschen lächelt, weil sie so weich wirkt, auch wenn sie zuweilen leicht divenhaft selbstsicher daherkommt. Senta Berger würde einen trösten, wenn man weinen würde. Ob Frau Dr. Eva Prohacek das tun würde, da ist man nicht so sicher. Seit 2002 spielt Senta Berger die Münchner Kriminalrätin in der Krimireihe „Unter Verdacht“. Dr. Eva Prohacek ist hart wie ihr Name. Resolut, uncharmant, realistisch. Sie gibt Anordnungen, ist kein Teamplayer, setzt nirgendwo ihre Weiblichkeit ein, scheut sich nicht, anzuecken. Auch nicht bei ihrem Vorgesetzten, dem ewig vor sich hin intrigierenden Dr. Claus Reiter.

Senta Bergers völlig überzeugende und sehr starke Darbietung als schroffe Dr. Eva Prohacek führt leider dazu, dass man für ebendiese weniger Sympathie hegt als beispielsweise für die ZDF-Polizistin Bella Block oder für diverse „Tatort“-Kommissarinnen, was zwar für die Spannung einer Filmreihe unwichtig, für ihre Beliebtheit aber vielleicht nicht zu unterschätzen ist. Eva Prohacek ist ganz bewusst keine Kommissarin. Sie ist Kriminalrätin, was im Behördendeutsch dafür steht, dass sie eine Beamtin ist, die gegen Beamte ermittelt. Weniger Krimi, mehr Politthriller also, so der „Unter Verdacht“-Anspruch. Das gelingt auch im Fall „Brubeck“, der heute abend erstmals auf Arte läuft.

Dramatisch schon der Anfang: eine Feuersbrunst, sekundenlang nur das verzweifelte Gesicht des Hauptkommissars Gunther Brubeck (Fritz Karl), dessen Familie bei einem tragischen Autounfall ums Leben kommt – und leise Musik. In der nächsten Szene der sterile Verhörraum im „Unter Verdacht“-typischen Grau-Blau-Stich. Prohacek und ihr Assistent André Langner (Rudolf Krause), dessen Tolpatschigkeit doch sehr gewollt wirkt und – schlicht gesagt – nervt, verhören den ungeständigen mutmaßlichen Vergewaltiger einer Prostituierten, Regierungsdirektor Gert Kramer (Maximilian Krück). Der Fall scheint klar, Dr. Prohacek will das Verhör einfach nur „mit Anstand zu Ende“ bringen.

Als der mutmaßliche Vergewaltiger sich in seiner Zelle das Leben nimmt und einen Hinweis auf Kommissar Brubeck hinterlässt, beginnen die Verstrickungen. Dr. Eva Prohacek, wie immer auch sehr stark von ihrer Intuition geleitet, bemerkt erste Unstimmigkeiten. Hatte der mutmaßliche Vergewaltiger vielleicht doch recht, als er behauptete, „hereingelegt“ worden zu sein?

Die Geschichte führt weiter, weiter als man erwartete. Sie bleibt nicht in München, sondern geht bis Kuala Lumpur. Sie zieht unerwartete, weite Kreise und endet mit einem sehr spannenden Wettlauf gegen die Zeit, bevor es neue Opfer gibt. Dr. Eva Prohacek behält einen kühlen Kopf. Von Senta Berger keine Spur. Elena Senft

„Unter Verdacht“, Arte, 21 Uhr

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