TV-Krimi : Kommissare im Duell

Wie muss sich das anfühlen, wenn plötzlich etwas auftaucht, was alles verändert? Und Chaos hereinbricht – oder anders: die Wahrheit ans Tageslicht zu kommen droht? "Der Tote in der Mauer" - ein besonderer ZDF-Krimi.

Thilo Wydra
Mendl
Die Kommissare Dudek und Westermann verdächtigen sich gegenseitig des Mordes. -Foto: ZDF

Als eines Tages in einem norddeutschen Dorf eine Leiche in einer Gebäudewand entdeckt wird, da gerät die Ordnung des ganzen Dorfes aus den Fugen. Der Mann ist seinerzeit im Zement erstickt, und rasch ist auch geklärt, wer es ist: der seit 16 Jahren vermisste Michael Lehmann. Und dieser Lehmann, er wurde damals verdächtigt, einen neunjährigen Jungen missbraucht und getötet zu haben. Seither fehlte von ihm selbst jede Spur. Nun ist er wieder da, eine unbequeme Leiche, die Indizien sind eindeutig, Lehmann wurde umgebracht. Die ganze Mordtheorie von einst bricht damit zusammen wie ein Kartenhaus, der Täter muss immer noch frei herumlaufen, womöglich lebt er gar hier, im Dorfidyll?

Ermittelnder Kommissar war damals Hagen Dudek (Michael Mendl). Jetzt steht Dudek drei Tage vor seiner Pensionierung. Er ist zudem schwer krebskrank, und niemand weiß davon. Sein Nachfolger steht bereit, es ist der junge Klaus Wendt (Frank Giering), der sich gern übereifrig und vor allem an vorderster Stelle ans Werk machen würde. Doch Dudek lässt die alte Sache keine Ruhe, er möchte den Fall noch mitverfolgen. Sie mögen sich nicht sonderlich, die beiden Kommissare. Aber da ist auf dem Polizeirevier auch noch Simone Westermann (Anna Maria Mühe), die zwischen beiden zu vermitteln versucht. Das ist auch dringend nötig, da Wendt herausfindet, dass Dudek seinerzeit vom Dienst suspendiert wurde, nachdem er den Tatverdächtigen Lehmann tätlich angriff, und Dudek wiederum findet heraus, dass Wendt den ermordeten Jungen gekannt hat.

„Der Tote in der Mauer“, von Holger Karsten Schmidt geschrieben und von Markus Imboden in Szene gesetzt, ist ein dichtes Drama der Beklemmung. Niemand traut niemandem, das ist nicht nur dramaturgisch stimmig verfasst, sondern auch bestechend inszeniert. Die einzige Person, die überhaupt vertrauenswürdig ist, das ist die junge Polizistin Westermann, die sich zwischen allen Fronten und den beiden Kommissaren sieht. Diese innere Zerrissenheit drückt sich nicht nur in der von Anna Maria Mühe berührend gespielten Polizistin aus, sie scheint sich durch das ganze Personal des Films zu ziehen. Die subversive Atmosphäre des nicht Greifbaren, kontrastierend mit der naturalistischen Wald- und Wiesen-Landschaft, vermag sogar einen leichten Gruselschauer zu erzeugen. Ein intensiver Psychothriller, der Biografien verletzter Menschen auserzählt. Das ist selten genug. Thilo Wydra

„Der Tote in der Mauer“, 20 Uhr 15, ZDF

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