TV-Krimi : Mord mit kleinen Fehlern

Beinahe das perfekte Verbrechen: Ein fesselnder „Tatort“ aus Bremen

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Es gehört zur Definition des perfekten Verbrechens, dass man dem Täter nicht auf die Schliche kommt. Dass die Aufklärungsquote bei Mordfällen derart beeindruckend ist, und zwar keineswegs bloß im Fernsehen, hat einen einfachen Grund: Viele Morde werden gar nicht als solche erkannt. Im TV-Krimi aber ist es meist eine Kleinigkeit, über die die Mörder stolpern. Allerdings sind auch Autoren nicht vor solchen Fehlern gefeit. In der ansonsten klug durchdachten Handlung dieses „Tatorts“ aus Bremen lässt ein Teilstück die Konstruktion in sich zusammenfallen wie ein Kartenhaus.

Der bewundernswert produktive Autor und Regisseur Thorsten Näter, der neben seinen diversen Sonntagskrimis und Einzelstücken auch noch regelmäßig die Episoden der Dieter-Pfaff-Serie „Der Dicke“ schreibt und inszeniert, hat sich für seinen siebten „Tatort“ aus Bremen eine ziemlich komplexe Geschichte ausgedacht: Im Rahmen einer Einbruchserie ist erstmals jemand zu Tode gekommen. Die Ermittlungen konfrontieren Kommissar Stedefreund (Oliver Mommsen) mit seiner großen Jugendliebe Sonja, über die er nie ganz hinweggekommen ist. Nun liegt die Frau tot zu seinen Füßen. Am Tatort trifft er außerdem auf Bernd Petermann (Dirk Borchardt), den Bruder des Opfers, der einst während der gemeinsamen Ausbildung Stedefreunds bester Freund war. Und es gibt noch einen Toten: Sonjas Mann (Oliver Stokowski) hat einen der Einbrecher erschossen, die anderen konnten fliehen.

Stedefreund muss sich nicht nur mit den Geistern der Vergangenheit rumplagen, sondern auch noch im Wettlauf mit seinem cholerischen früheren Kumpel ermitteln, denn der will mit den Mördern seiner Schwester kurzen Prozess machen. Allerdings mehren sich die Anzeichen, dass irgendetwas bei der ganzen Sache mächtig faul ist. Das gilt allerdings auch für einige Details der Geschichte. Ganz abgesehen davon, dass Petermann, der Zeugen bei Vernehmungen zu verprügeln pflegt, längst suspendiert worden wäre, kommt nun auch jenes Puzzleteil ins Spiel, mit dem man die gesamte Konstruktion aushebeln kann: Der Anführer der Bande hatte nach jedem Einbruch eine größere Summe auf sein Konto einbezahlt; offenbar, so denken die Ermittler, hat er das Diebesgut verhökert. Aber selbst wenn: Würde ein Ganove tatsächlich gleich seine Bank aufsuchen? Womöglich aus Angst vor Einbrechern? Oder weil die Zinsen so toll sind?

Wenn man bereit ist, diesen Punkt zu ignorieren, geht die Handlung glaubhaft weiter: Mit der unfreiwilligen Hilfe eines Obdachlosen (Lars Rudolph) findet die Polizei die Beute aus den Raubzügen. Damit steht fest, dass es bei den Einbrüchen nicht um Geld gegangen sein kann. Den versierten Kriminalisten unter den Zuschauern ist das allerdings schon viel früher klar; und wer richtig gut ist, ahnt bereits, wie sich die Sache entwickelt, noch bevor der Mord begangen wird.

Stedefreund steht zwar im Zentrum der Ermittlungen, aber dafür hat sich Näter für Stedefreunds Kollegin Inga Lürsen (Sabine Postel) etwas ganz Besonderes ausgedacht: Die sonst oft unangenehm zickige Kommissarin fällt gleich zu Beginn des Films auf den Kopf und schwebt fortan mit einer Lässigkeit durch den Film, als sei sie auf einem Trip. Prompt schlägt in Form eines äußerst fürsorglichen Arztes (Peter Kremer) auch die Liebe zu.

„Königskinder“, ARD, 20 Uhr 15

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