TV-Krimi : „Polizeiruf 110: Falscher Vater“ kümmert sich um Exiliraker in Potsdam

Im „Polizeiruf 110: Falscher Vater“ ermittelt Polizeihauptmeister Horst Krause in Potsdamer Plattenbausiedlungen und kommt nur mit Beharrlichkeit weiter.

Kurt Sagatz
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Gegen Kommissarin Herz (Imogen Kogge) und Horst Krause (Horst Krause, rechts) hat der Berliner Kollege (Axel Buchholz) keine...rbb Presse & Information

„Wir brauchen dafür kein Gerät, wir haben Krause.“ So einfach ist das im „Polizeiruf 110“ aus Brandenburg mit Polizeihauptmeister Horst Krause alias Horst Krause und Kriminalkommissarin Johanna Herz (Imogen Kogge). Da mag der Kollege aus Berlin noch so oft mit Blick auf seinen GPS-Empfänger behaupten, die Leiche unweit der Glienicker Brücke liege noch in seinem Verantwortungsbereich. Wenn Horst Krause sagt, das hier sei bereits Brandenburg, dann weiß der Zuschauer der RBB-Produktion, wer am Ende recht behält.

Bei der Leiche mit der blutdurchtränkten Kleidung handelt es sich um den Exiliraker Mahmut Schemal. Noch kurz zuvor sieht man ihn im Kreis seiner Familie gesehen und weiß, dass die Welt in der Plattenbausiedlung in Potsdam schon lange nicht mehr in Ordnung ist. Schemal blickt auf einen Gegenstand in seiner Hand, vielleicht einen Zettel, er und seine erheblich jüngere Frau Aria (Isabella Parkinson) schauen sich nur schweigend an, den Blick voll tiefer Verzweiflung. Nur wenige Meter entfernt sitzt Sohn Miro (Seckin Orhan), auch für ihn ist es die letzte Begegnung mit seinem Vater.

Dieser „Polizeiruf“ in der Regie von Nils Willbrand, der mit Claudia Kock auch das Drehbuch geschrieben hat, macht es dem Zuschauer nicht leicht. Die Witwe des Irakers und ihr Sohn sind alles andere als gesprächig, Kommissarin Herz muss Zeugen und Verdächtigen ein ums andere Mal hinterherrennen. Selbst Polizeihauptmeister Horst Krause kommt im Kulturverein nur mit Beharrlichkeit weiter – in der Autowerkstatt, in der Sohn Miro eine Ausbildung absolviert, hilft ihm hingegen eine alte Schulfreundschaft: „Du warst die Posaune, ich die Trompete“, erkennt Krause in Kfz-Meister Kampe (Günter Junghans) seinen alten Mitschüler wieder.

Doch mit Ausnahme des zwangsläufig folgenden musikalischen Intermezzos gibt es wenig zu schmunzeln in diesem Krimi. Gefühle zu zeigen, fällt allen Beteiligten schwer – zumindest öffentlich. Was genau dahinter steckt, welche Qualen die Exiliraker in ihrer Heimat erdulden mussten, der Zuschauer erfährt es nicht. Dafür aber, dass es in Potsdam offenbar eine große Gemeinde von Menschen aus diesem Land gibt. Und dass sie im Kulturverein die Kontakte pflegen – und die Landsleute im Irak nicht vergessen. Auch Schemal hat sich hier engagiert und die Buchhaltung für die Spendenaktionen betreut. Vor allem aber erfährt man, wozu verzweifelte Menschen fähig sind. Kurt Sagatz

„Polizeiruf 110“, ARD, 20 Uhr 15

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