TV-KRIMI : „Tatort“ Köln: gut gemeint, aber nicht gut

Das Kölner "Tatort"-Duo Ballauf und Schenk ermittelt im Obdachlosen-Milieu.

Thomas Gehringer

Ein Mord geschieht, die Leiche wird gefunden, die Kommissare werden gerufen – so beginnen die meisten deutschen Fernsehkrimis. Aber warum so viele Umstände machen? Dem Kölner „Tatort“-Duo Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) kippt der neue Fall beim Frühstück an der Currywurstbude einfach vor die Füße. Ein junger Obdachloser bricht auf einer Bank tot zusammen, aus der geleerten Weinflasche nimmt der herbeigerufene Gerichtsmediziner Roth (Joe Bausch) den Geruch von Glykol wahr. Der Mann muss eine gute Nase haben, denn Glykol ist eigentlich geruchlos.

Und auch sonst gelten die Naturgesetze im 44. Kölner Fall mit dem Titel „Platt gemacht“ nur bedingt. So wird dem übergewichtigen Schenk mal wieder eine Verfolgungsjagd zugemutet: Der Kommissar schnappt sich spontan das mit Tüten und Taschen schwer behängte Fahrrad eines Obdachlosen und radelt hinter einem jungen, schlanken Verdächtigen her, der unbeschwert unterwegs ist und noch dazu bemerkt, dass er verfolgt wird. Im normalen Leben hätte er den Kommissar locker abgehängt, aber im Film wird der junge Mann von Schenk erfolgreich aufgespürt und für den Mordversuch an einem Obdachlosen nicht einmal verhaftet. Immerhin bringen die Ermittler den Namen seines Komplizen heraus. Er heißt, kein Scherz: Kevin Kölsch. Man könnte wirklich meinen, dieser Film sei aus einer Bierlaune heraus geschrieben und inszeniert worden. Bei packend erzählten Krimis fallen solche Ungereimtheiten im Detail weniger auf, bei einem insgesamt mauen Film irritieren sie umso mehr.

Nur ein schwacher Trost ist es da, dass „Platt gemacht“ ein gut gemeinter Appell an das Fernsehvolk ist, nicht verächtlich auf die Penner herabzuschauen. Es kann jeden treffen, so die Botschaft des Films. Schade um die gute Absicht, denn das Wohlwollen des Zuschauers wird bis zur letzten Szene strapaziert: Da dürfen „De Höhner“ ihre Berber-Hymne zum Besten geben, die im Film zuvor ein Obdachloser sogar im Delirium auf den Lippen hatte. Unter die Zuhörer hat sich, warum auch immer, Peter Millowitsch gemischt. Köln feiert sich eben gerne selbst – bis zur Schmerzgrenze und manchmal sogar darüber hinaus. Thomas Gehringer

„Tatort: Platt gemacht“, 20 Uhr 15, ARD

0 Kommentare

Neuester Kommentar