TV-Kritik "Crazy Dates" : Palina Rojinski verkuppelt Esel mit Single-Frauen

Die neue Kuppel-Sendung "Crazy Dates" mit Palina Rojinski startete gestern auf ProSieben. Das Konzept: Männer in Tierkostümen buhlen um adrett aussehende Frauen. Was das bringen soll, ist nicht ganz klar.

Richard Weber
Unter Anleitung von Palina Rojinski (im Hintergrund) wird geflirtet - im Eselskostüm.
Unter Anleitung von Palina Rojinski (im Hintergrund) wird geflirtet - im Eselskostüm.Foto: Willy Weber / ProSieben

Mit Dating-Shows im Fernsehen ist das so eine Sache. Entweder sind es gescriptete Verbal-Orgien zwischen tätowierten Jung-Machos, die um Assi-Palmen tragende Legging-Girls kämpfen. Oder in den personalisierten Restposten-Shows hoffen Übriggebliebene im Liebes-Ausverkauf auf ein kleines Zipfelchen Beziehungsglück.

Zwischen diese Eckpfosten rammt ProSieben seine neue Kuppel-Sendung „Crazy Dates. In Love mit Palina“. Crazy, weil die Mädchen in voller Pracht auftreten, die Jungs aber in Tierkostüme schlüpfen müssen. Und „in love mit Palina“, weil Palina Rojinski hier sozusagen als liebevolle Kuppel-Freundin agiert.

Palina ist die herzliche Jury-Dame aus der Tanz-Show „Got to dance“. Und sie ist der Sidekick von Joko und Klaas in Cricus Halligalli. Palinas letzte Aufgabe dort – mehrere Runden Achterbahn fahren, sich dabei schminken und mit Männern flirten. Dass sie sich dann vor der Kamera übergeben muss, kann nur von ganz fiesen Zeitgenossen in die eklige Trash-TV-Ecke abgeschoben werden. Aber immerhin hat sich Palina damit genug Expertentum für eine Dating-Sendung erarbeitet.

Gebalzt wird wie im Tierreich

Im ersten Teil sind es ein Esel und ein Pinguin, die um Katharina, eine knackige 26-jährige Mathematik-Studentin, buhlen. Aber wir wären nicht beim kecken Privatfernsehen, wenn es beim ersten Beschnuppern nicht gleich zweideutig würde.

Der Esel rutscht unruhig auf seinem Platz herum und erklärt, dass er auf seinem Schwanz sitzen würde und das der einfach so groß sei. Selbstverständlich ist damit nur das Stoffteil der Kostümierung gemeint. Was denn sonst?

Zweite Runde. Jetzt wird’s sportlich. Katharina fährt mit dem Pinguin Ski und geht mit dem Esel in einen Vergnügungspark, wo die beiden in einer Drehtrommel oder auf einer Kinderrutsche verdammt viel Spaß für die Kamera demonstriert.

Dritte Runde. Jetzt fallen die Tier-Kostüme. Und es stellt sich heraus, das der Pinguin eigentlich Jerome heißt, Sport studiert und Katharina mal irgendwann bei irgendeinem Sneaker-Kauf beraten hat. Der Esel heißt im wirklichen Leben Tim und ist mit der Dame vor langer Zeit mal zusammen in die Grundschule gegangen. Na wer da nicht gleich Liebe auf den tausendsten Blick erkennt, der hat einfach kein Herz für Romantik.

Elvis Presley und viel Farbe

Katharina entscheidet sich aus irgendwelchen Gründen gegen den Sneaker-Lover und für den Schultüten-Kumpel.

Und schon geht’s weiter mit Elena und ihren Dates mit einem Hasen und einem Hahn. Man möchte als Kritiker ja nicht immer wie ein schreibender Sauertopf rüber kommen. Aber es fällt wirklich schwer, etwas Positives an diesem unausgegorenen Liebes-Schmarrn zu entdecken.

Ok, die farbverstärkten Bilder lassen die Sendung nicht so billig aussehen. Während der ganzen Zeit gibt’s Liebeslieder von Presley, Piaf, Knef und anderen. Und Palina strahlt wirklich so etwas wie authentisches Interesse für ihre Liebeskandidaten aus.

Aber warum müssen die TV-Mädels im giftgrünen VW-Bulli zur Brautschau gefahren werden? Warum lernt man die Jungs, die da um ihre Herzensdame  kämpfen, nicht richtig kennen? Und warum sollen Dates mit Kerlen in Tierkostümen wirklich mehr Erkenntnis-Gewinn verschaffen, als Dates mit Kerlen in Jeans und T-Shirts? Der Kritiker in der TV-Kuppel : ziemlich ratlos.

Crazy Dates – In Love mit Palina, lief am 05.06.2014 um 22,45 Uhr auf ProSieben.

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