TV-Kritik : Die älteren Männer und das Meer

In der Fernseh-Fallgrube: „Traumschiffer“ Wolfgang Rademann und Harald Schmidt zu Besuch bei „Beckmann“.

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Zu Gast bei Reinhold Beckmann (re.): Wolfgang Rademann und Harald Schmidt.
Zu Gast bei Reinhold Beckmann (re.): Wolfgang Rademann und Harald Schmidt.Foto: ARD

Als Harald Schmidt, 54, noch für die ARD arbeitete, da hatte er am Donnerstag keinen großen Erfolg. Jetzt arbeitet Reinhold Beckmann, 57, auf diesem Sendeplatz, und er hat keinen großen Erfolg. Schmidt arbeitet für Sat 1, zwar nicht am Donnerstag, trotzdem ist der Erfolg des Ex-ARD-Mitarbeiters beim Privatsender überschaubar. Da lag der Gedanke so fern nicht, dass sich Beckmann und Schmidt am Donnerstag bei „Beckmann“ treffen. Fernsehgrößen werden zu gegenseitigen Fernsehstützen. Dritter im Bunde war Wolfgang Rademann, 77. Er produziert seit 30 Jahren das „Traumschiff“, das läuft am Sonntag im ZDF und ist seit 30 Jahren sehr erfolgreich.
Das Trio hätte über Erfolg im Fernsehen reden können und über das Gegenteil. Hat es auch. Rademann ist der unprätentiöseste Fernsehmacher dieser Tage - „kein Abitur, keinen Führerschein, kaum Englisch. Der Berliner berlinert Anekdoten über 30 Jahre „Traumschiff“, einige sind neu, andere nicht. Schmidt reportiert Anekdoten über seine dortigen Drehort-geht-vor-Inhalt-Auftritte, einige sind neu, andere nicht. Manchmal steckt er noch einen zusätzlichen Witz rein, dann bewegt sich die Talkshow gedanklich nach oben. Beckmann weiß wohl, was Rademanns Potenzial ist, und er weiß es bei Schmidt. Aber er weiß nicht, was er daraus für 75 Minuten machen soll. Beim Late-Night-Talker hakt er blitzschnell Griechenland – Bosbach – Bayern ab. Beckmann schlägt Haken, er sucht und findet nicht, im Kern muss ihm klar sein, dass das „Traumschiff“ für 70 Minuten Best-of-Anekdote und knapp fünf Minuten Reflexion über Sehnsucht im TV-Format taugt. Das ist Fernsehen, das gar kein Geheimnis haben will, es passt perfekt auf die Bildschirm-Oberfläche.
Reinhold Beckmann jedoch möchte sich nicht mit der Charge eines Conférenciers abgeben. Er will, ja was will er denn? Einen Diskurs über die Untiefen des U-Fernsehens? Das geht nicht, das geht nicht mit Rademann, der sich vorbehaltlos zu seinem Märchen-Produkt bekennt. Nichts anderes will Schmidt. Beide stellen das „Traumschiff“ und ihre Rollen dabei überhaupt nicht in Frage. Beckmann gibt auf und schippert endgültig als Wasserträger mit. 15 Minuten vor Schluss stößt noch Siegfried Rauch, 79, dazu. Er ist Kapitän seit 1999. Auch er muss unter der Fragekunst des Moderators nicht zusammenbrechen. Beckmann brilliert jetzt: als unterhaltungssüchtiger Menschenfreund, als Rastelli des Kurzgedankenspiels, als klebriger Plauderkönig, dem zu entgehen selbst Chefstewardess Beatrice von Ledebur über Bord springen würde.
So bleibt nach diesem Donnerstag festzuhalten: Schmidt hat Erfolg, wenn er bei Rademann den Kreuzfahrtdirektor Schifferle gibt, und Beckmann hat selbst dann keinen Erfolg, wenn Schmidt und Rademann seine Studio-Kajüte aufsuchen. Beckmann tritt auf, als wolle er der ARD das Ende seiner Talkshow freiwillig anbieten. Parallel zu „Beckmann“, bei Sat 1, gibt Kerner mit dem Magazin „Kerner“ seine letzten Vorstellungen. Der späte Donnerstagabend ist die Fallgrube das deutschen Fernsehens. Schmidt. Kerner. Beckmann. In dieser Reihenfolge macht es plumps.

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