TV-Kritik : Ein Fall für Polonius Fischer

Langsam, bedächtig - und gewöhnungsbedürftig: "Todsünde", ein Krimi mit Hanns Zischler.

Thilo WydraD

Gewiss, da sind die Panoramaschwenks mit Alpenblick und Kirchturmidylle, doch ansonsten ist München in den Bildern von Kameramann Carl F. Koschnick anders. Es ist zunächst einmal das München des dort lebenden Schriftstellers Friedrich Ani. Und es ist jenes des dort angesiedelten Ermittlers, des heutigen Kriminalkommissars und ehemaligen Mönchs mit dem so eigenwilligen Namen Polonius Fischer (Hanns Zischler). „Die Idylle der Hyänen“ heißt Anis Kriminalroman, den Matti Geschonneck nun auf der Basis von Hannah Hollingers Drehbuchadaption hat. Ein ambivalentes Unterfangen.

Da ist der Mordfall um eine junge Frau. Sie hat eine siebenjährige Tochter, welche spurlos verschwunden ist. das ist schon alles, weitgehend. Und so steht Polonius Fischer mitsamt seinem Team vor einem Rätsel. Keiner will etwas wissen. Doch in seiner akribischen Art des Spurensuchens gerät Polonius Fischer an den merkwürdigen Sebastian Flies (Christoph Waltz), der das Opfer gekannt zu haben scheint, wie auch jene andere Frau, die draußen auf dem Land, in einer Kapelle tot aufgefunden wird.

„Todsünde“, wie Anis Roman für das Fernsehen umbenannt wurde, das ist ein behutsamer Fernsehfilm von einer Langsamkeit, fast Bedächtigkeit, wie sie für das Genre ungewohnt sein mag. Diese Langsamkeit, verbunden mit dieser speziellen Visualität, wird nur mehr verstärkt durch die Verschrobenheit des Protagonisten Polonius, der beim Verhör gerne Bibelsprüche zitiert, oft von Gut und Böse spricht, von Glauben und Nichtglauben nahezu doziert. Das ist – zumindest in der Fernsehadaption – gewöhnungsbedürftig und muss vor allem glaubwürdig sein. Letzteres ist durchaus noch ausbaufähig, gerade auch was die Dialoge und Monologe Fischers anbelangt. Das gerät zuweilen allzu altväterlich-predigend. Gerade wurde in München ein neuer Polonius-Fischer-Fall unter Matti Geschonnecks Regie abgedreht. In diesem München, das hier so gar keines zu sein scheint. Thilo Wydra

„Todsünde“, ZDF, 20 Uhr 15

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