TV-Kritik "Günther Jauch" zu VW : Auch ein VW-Käfer kann Jauch nicht mehr helfen

Man werde staunen in der Sendung, versprach Günther Jauch. Tat man dann auch: Über die krude Gästeauswahl und einen Gastgeber wie in einer Zwangsjacke.

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Moderator Günther Jauch, der zum Jahresende seine Talkshow aufgibt
Moderator Günther Jauch, der zum Jahresende seine Talkshow aufgibtFoto: dpa/Karlheinz Schindler

Manche Menschen wirken wie befreit, wenn sie wissen, dass etwas, das nicht mehr passte, endlich zu Ende geht. Sie agieren dann ohne Angst, sie sind plötzlich mutig, ausgelassen, die fehlende Last macht sie federleicht. Plötzlich scheinen sie zu schweben, alles, was angestrengt wirkte, wirkt wie aus dem Ärmel geschüttelt. Ja – solche Menschen gibt es.

Und dann gibt es Günther Jauch. Er hört Ende des Jahres mit seiner Talkshow in der ARD auf – es gibt nicht wenige, die meinen: endlich. Es gibt einige, die meinen sogar: viel zu spät. Was Günther Jauch zum Ende von Günther Jauch meint, ist nicht bekannt, aber das ist das, was wir wissen können nach der ersten Sendung seiner Abschiedsrunde: Der Mann wirkt nicht befreit, die Rolle des Talkshowgastgebers Günther Jauch scheint für den Mann Günther Jauch eine Art Zwangsjacke zu sein, aus der er sich nicht befreien kann.

Da hilft es auch nichts, wenn er, wie am Sonntagabend, seine Sendung damit beginnt, in einem VW-Käfer vor das Studio zu fahren. Denn das Thema nach der Sommerpause war natürlich der VW-Skandal und damit verbunden die nichtssagende Frage, ob deshalb „made in Germany“ auf dem Spiel stehen würde, nachdem ja das ZDF an diesem Wochenende mit „Blochin“ bereits bewiesen hat, dass im Bereich Fernsehserien das Siegel „Made in Germany“ eher eine Warnung ist.

Jauch jedenfalls erzählte zunächst nicht ohne Stolz von seinem eigenen VW-Käfer, den er immerhin 30 Jahre gefahren habe, um dann seinen Zuschauern zu erklären, wen seine Redaktion alles eingeladen hatte – und wer dann nicht kommen wollte (Verkehrsminister Dobrindt, der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil und Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie). Vielleicht steckte darin bereits die Entschuldigung dafür, wen man daraufhin einladen musste, um eine sendefähige Runde zusammenzubekommen – und möglicherweise meinte Jauch auch die Gäste, als er versprach, man werde während dieser Sendung noch „staunen“.

Tatsächlich erstaunt es, wer in der Jauch-Redaktion auf die Idee kam, ARD-Börsenexpertin Anja Kohl einzuladen. Die hatte sich bereits einer Sendung über Griechenland nicht gerade als Paradegast hervorgetan. Und diesmal verblüffte sie alle Anwesenden mit einer sehr verqueren Verschwörungstheorie, weil ja seltsamerweise die Amerikaner in deutschen Autos diesen Betrug festgestellt hätten – das müsse ja irgendwas bedeuten.

Fast immer, wenn Kohl redete, hörte man jemanden „nein, nein, nein“ sagen. Das war Axel Friedrich, der lange Jahre im Umweltbundesamt arbeitete, und leider mehr andeutete als sagte, was in Talkshows mitunter irritiert. Irritierender war allerdings, dass sich auf Twitter der Chefredakteur der Online-Ausgabe einer Boulevardzeitung darüber Gedanken machte, ob Friedrich Lippenstift in der Farbe seines Hemdes aufgetragen habe, während man sich ansonsten in den sozialen Netzwerken eher über die Kohlschen Erkenntnisse von Zusammenhängen, wo keine sind, wunderte.

Man hat es ja schon immer gewusst

Ansonsten hielt es sich mit dem Wundern und dem Staunen doch in ziemlichen Grenzen. Im Prinzip – so sagten es fast alle in der Runde – habe man das, was da jetzt aufgedeckt wurde, ja schon immer gewusst. Dietmar Hawranek, ein kundiger Redakteur des „Spiegel“ erzählte herrlich unaufgeregt, dass es bei VW im Prinzip zugehen würde wie in Nordkorea.

Wenn man dem Grünen Anton Hofreiter zuhörte, dann bekam man den Eindruck, es handle sich bei VW um einen Konzern aus der Hölle, und das Gütesiegel „Made in Germany“ habe jetzt deutliche Kratzer. Dass das Gütesiegel „Made in Germany“ keine deutliche Kratzer habe, meinte dagegen Wolfgang Kubicki, der wohl als eine Art Hausjurist eingeladen war, und an mehreren Stellen darauf hinwies, dass es sich im Betrug handle, was ja nun niemand ernsthaft bezweifelt.

Am Ende zitierte Jauch dann noch Kohl. Helmut – nicht Anja. Weil ja schließlich entscheidend sei, was hinten rauskäme. Darüber hat allerdings niemand gelacht.

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