TV-Kritik : Hart aber fair aber sehr gut

Was hatte man da gerade gesehen? Wie konnte das passieren? Das, was da Mittwoch in der ARD zwischen 21 Uhr 45 und 23 Uhr lief, war die beste Ausgabe von "Hart aber fair", die jemals ausgestrahlt wurde. So weit die Kurzkritik.

Matthias Kalle
Plasberg
Hielt sich ausnahmsweise mal zurück: Moderator Frank Plasberg. -Foto: dpa

BerlinAls es zu Ende war und Caren Miosga von den "Tagesthemen" übernahm, da konnte man es als Zuschauer immer noch nicht fassen. Man hatte gerade die beste "Hart aber fair"-Sendung alle Zeiten gesehen. Das lag – logischerweise – nicht an Frank Plasberg, dem Gastgeber, obwohl: ein wenig doch, denn Plasberg war schlau genug, sich bei dieser Runde zurückzuhalten. Er gefiel sich in der präsidialen Rolle – eine gute Rolle für ihn, jedenfalls bei den Gästen, die die Show übernahmen. Natürlich ging es um die Wahl, um den Wahlkampf, um Konstellationen, aber eigentlich ging es endlich mal wieder um alles, denn darüber stritten und redeten Oskar Lafontaine, Sigmar Gabriel, Renate Künast, Guido Westerwelle und Roland Koch furios.

Gabriel und Westerwelle hatten bereits am Sonntag bei "Anne Will" bewiesen, wie viel Spaß die politische Auseinandersetzung machen kann und wie diese Leidenschaft auch den Zuschauer erreicht. Beide machten bei Plasberg weiter – und die anderen machten mit. In Sigmar Gabriel hat die SPD jemanden wiedergefunden, über den sich viele noch vor zwei, drei Jahren lustig gemacht haben. Was ein Fehler war, in Wirklichkeit ist er neben Klaus Wowereit der beste Wahlkämpfer der Partei, ein Segen für jeden politischen Fernsehtalk.

Natürlich gab es Witzchen und Spitzen und Nickligkeiten in der Runde, aber die wirkten nicht aufgesetzt, nie gewollt, sie waren eher das Sahnehäubchen auf die engagierte Diskussion, die sich viel mehr um politische Inhalte drehte als um Machtspielchen. Als Plasberg einmal in sein altes Rollenmuster zurückfiel und dachte, er müsste für Randale sorgen, wurde er von der versammelten Runde zurecht gewiesen – tatsächlich ein unglaublicher Vorgang.

Ein Fehlgriff war auch der Experte, der Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte, der etwas zu abstrakt daherredete. Sobald er dozierte, zeigte die Kamera die Politiker, die ungläubig und fassungslos dasaßen, auch das ein kleiner, großer Fernsehmoment. So wie die ganze Sendung geradezu ein Paradebeispiel dafür ist, wie Politikvermittlung im Fernsehen funktionieren kann, muss, sollte: Erkenntnisgewinn und Unterhaltung. Hart aber fair aber sehr gut.

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