TV-Kritik Hart aber fair : Quote machen mit dem Terror

Frank Plasberg schürt ganz allgemein die Angst vor einem Terroranschlag in Deutschland, seine Gäste diskutieren dagegen sachlicher. Aber am Schluss wird es richtig gruselig.

Richard Weber
Frank Plasberg moderiert "Hart aber fair".
Frank Plasberg moderiert "Hart aber fair".Foto: dpa

Erste Sekunden der Talksendung "Hart aber fair: Terrorangst in Deutschland - wie nach ist die Gefahr" Moderator Frank Plasberg rüstet verbal auf. Feuert Angstparolen ab: "Mulmiges Gefühl in der S-Bahn. Furcht vor Karnevalsumzügen oder Fußballstadien. Die Feinde westlicher Demokratie wollen nur unsere Angststarre. Die Bedrohung ist so konkret wie nie. Demoverbot in Dresden. Verdeckte Polizeiaktionen im ganzen Land." Am Schluss Entwarnung. Ein Beitrag widerlegt den aufpeitschenden Anfangsmonolog.

Seit 2001 sind zwei Personen wegen eines islamistischen Terroranschlags in Deutschland ums Leben gekommen. Im selben Zeitraum sind 90.000 Menschen bei Unfällen im Haushalt gestorben. Titel der nächsten Sendung: "Hart aber fair: Terrorangst vor Leitern und Eimern - die unterschätzte Todesgefahr von Putzlappen und Schwämmen?" Quotenkämpfe werden auch im öffentlich-rechtlichen TV an Anfang gewonnen. So einmal angefixte Zuschauer können dann auch mit intelligenter Uneindeutigkeit behelligt werden, sie zappen nicht mehr so schnell weg.

Der ehemalige Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP) gibt zu, das zu Zeiten der RAF Politik und Gesellschaft hysterisch reagiert hätten. Und dass in der aktuellen Situation viel ruhiger und unaufgeregter gehandelt würde. Das Demoverbot in Dresden ist für Baum, ohne massive Gründe, ein schmerzlicher Einschnitt in demokratische Grundrechte. Der Investigativ-Journalist und frühere Spiegel-Chefredakteur Georg Mascolo geht weiter. Neben der Terrordrohung gegen Pegida, würden sich eine Menge konkreter oder diffuser Warnungen bei den Sicherheitsbehörden stapeln. Das rechtfertige keine Einschränkung der freien Meinungsäußerung.

Sebastian Fiedler vom Bund Deutscher Kriminalbeamter sieht da ganz andere Probleme. Mord- oder Terrordrohungen seien leicht und schnell ausgesprochen. Es müsse genau untersucht werden, wer da mit dem Säbel rasselt. Und wie groß das Gefahrenpotential wirklich ist. Nur dazu gebe es nicht genug Personal. Fiedler und der stellvertretenden CDU-Chef Armin Laschet fordern das Instrument der Vorratsdatenspeicherung. Für Baum ist und bleibt das unsinniges und undemokratisches Teufelszeug. Die Fazit aus diesem Teil der Sendung: Absolute Sicherheit gibt es nicht und Freiheit ohne Risiko sowieso nicht.

Jürgen Todenhöfer goes Pippi Langstrumpf

Leider wird’s dann in geistiger Hinsicht gruselig und grausam. Jürgen Todenhöfer, ehemaliger Abrüstungsexperte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und jetzt Journalist, gibt den Weltversteher und Weltverbesserer. Und er erklärt jedem, der es hören will oder nicht, den Islamischen Staat (IS) und seine Strategie. Beim TV-Interview zwischen Todenhöfer und einem deutschen Kämpfer der Terror-Miliz standen zwar ein paar vermummte Maschinengewehrträger herum. Die haben aber sicherlich nur einen entspannten und meinungsstarken Gedankenaustausch vor der Kamera garantiert.

Todenhöfer hat nach eigener Aussage auch mit den IS-Kämpfern zusammengelebt. Deshalb weiß Todenhöfer auch ganz genau und aus erster Hand, warum der IS entstanden ist. George W. Bush und sein Irakkrieg sind schuld. Und auch wenn der IS etwas Angst macht, man kann ihn leicht besiegen. Keine Bomben. Kein Krieg. Keine militärische Hilfe. Einfach die von Diktator Saddam Hussein hofierte und von Bush entmachtete sunnitische Minderheit wieder an die Macht bringen. Dann zerfällt der IS wie ein Vampir bei Sonnenlicht zu Staub. Todenhöfer goes Pippi Langstrumpf: "Ich mach' mir die Welt, widdewidde wie sie mir gefällt."

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