TV-Kritik : Oberstufe zwangsverpflichtet

Es ist zunächst gar nicht verkehrt, dass ein Privatsender mal wieder eine politische Talkshow ins Programm nimmt. Doch auf das, was bei "Eins gegen Eins" veranstaltet wurde, kann man getrost verzichten.

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Claus Strunz moderiert "Eins gegen Eins".
Claus Strunz moderiert "Eins gegen Eins".Foto: dpa

Spricht das jetzt für oder gegen „Eins gegen Eins“ den neuen „Polit-Talk“ von Sat 1, dass man am Ende Guido Westerwelle in zwei Punkten Recht geben musste. Ja, man sollte wählen gehen – und ja, es ist erst mal gar nicht verkehrt, dass ein Privatsender mal wieder eine politische Talkshow ins Programm nimmt. „Eins gegen Eins“ hatte am Montagabend Premiere, es ist die einzige Sendung ihrer Art bei den Privaten – aber wenn das wirklich ernst gemeint war, was da veranstaltet wurde, dann kann man darauf auch getrost verzichten.

Die Eigenwerbung versprach „Starke Positionen, spannende Duelle, klare Ergebnisse“ – nichts davon wurde eingehalten, nicht einmal der Titel der Sendung stimmt, denn obwohl am Anfang FDP-Chef Guido Westerwelle (eins) mit „Handelsblatt“-Chefredakteur Gabor Steingart (eins) diskutierte, standen irgendwann noch zwei andere Menschen dabei – aber „Vier gegen Willi“ war schon in den 80er Jahren ein grandioser Flop für die ARD. Moderator war damals Mike Krüger, der Moderator von „Eins gegen Eins“ heißt Claus Strunz, obwohl man als Zuschauer dachte, den Job erledigt Steingart eigentlich auch ganz gut.

Strunz ist eigentlich Chefredakteur des „Hamburger Abendblatt“, davor war er bei der „Bild am Sonntag“, ein Springer-Mann, dessen Fernsehkarriere in Teilen auf seine Namensgleichheit mit dem Fußballspieler Thomas Strunz zurückzuführen ist – den machte der ehemalige Bayern-Trainer Giovanni Trapattoni mit dem Satz „Was erlauben Strunz!?“ unsterblich, der Satz wurde auch Titel einer Talkshow, die dann Claus Strunz moderieren musste – warum, weiß man nicht. Mit Moderieren hat seine Tätigkeit bei „Eins gegen Eins“ wenig zu tun, wenn man ihm nichts Böses will, kann man sagen: Er ließ die Dinge laufen. Welche Dinge – und wohin, blieb bis zum Ende unklar.

Die Leitfrage der ersten Sendung, die sich lediglich 520 000 Zuschauer ansahen, lautete „Macht Wählen noch Sinn?“ um Aktualität zu simulieren wurde das irgendwie mit Libyen und Atomkraftwerken in Verbindung gebracht, am Anfang musste das Studiopublikum (offensichtlich wurde eine Oberstufe zwangsverpflichtet) abstimmen – 80 Prozent meinten, Wählen mache Sinn, 20 Prozent waren anderer Meinung. Ganz spannend: Am Ende wurde noch mal abgestimmt, nachdem alle „Argumente“ gehört wurden. Und wie spannend das war! So spannend, dass man sogar eine Werbepause machen konnte. Danach kam das Ergebnis: 80 Prozent meinten, Wählen mache Sinn, 20 Prozent waren anderer Meinung. Die Sendung hat sich mal wirklich gelohnt.

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