TV-Kritik : Spätschoppen bei Maischberger

Bei Sandra Maischberger wurde die 10.000 Ausgabe der "Tagesthemen" gefeiert - mit illustren Gästen. Das bestimmende Thema der Sendung war der Weinkonsum. Und auch sonst hörte man gerne zu.

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Die Journalisten Sabine Christiansen (l-r), Tom Buhrow, Sandra Maischberger, Ulrich Wickert, Peter Kloeppel, Barbara Dickmann und Wolf von Lojewski posieren nach der Talkshow "Menschen bei Maischberger".
Die Journalisten Sabine Christiansen (l-r), Tom Buhrow, Sandra Maischberger, Ulrich Wickert, Peter Kloeppel, Barbara Dickmann und...Foto: dpa

Zugegeben, oder? Das Thema der Sendung hörte sich an, wie der Titel einer Schocker-Reportage auf RTL2: "Kanzler, Krisen, Katastrophen" - so würde dieser Sender möglicherweise seinen Zuschauer den Regierungsalltag verkaufen, so hieß aber wirklich die Ausgabe von "Menschen bei Maischberger" am Dienstag. Und das Schönste war: es ging dann überhaupt nicht um Kanzler, Krisen, Katastrophen. Es ging um Wein, Weib und Weinen.

Es ging, richtig, um die "Tagesthemen", genauer: um die 10.000 Ausgabe des Nachrichtenformats, das erstmals am 2. Januar 1978 gesendet wurde. Die Gäste waren die "Tagesthemen"-Moderatoren Sabine Christiansen, Ulrich Wickert, Barbara Dieckmann, Wolf von Lojewski, Tom Buhrow - und Peter Kloeppel, der außer bei RTL noch nie was moderiert hat, aber da die Sendung in Köln aufgezeichnet wird und Kloeppel in Köln arbeitet, bot sich sein Kommen vielleicht irgendwie an. Und wahrscheinlich hat der Mann auch schon schlimmerer Abende gehabt, denn es war, alles in allem, dann doch sehr nett.
Das bestimmende Thema der Sendung war der Weinkonsum - nicht der der Deutschen, sondern der Weinkonsum der Moderatoren und der Redaktion - darum ging es am Anfang. Wickert setzte das Thema nicht ganz unüberraschend, und man bekam den Eindruck, man hätte die "Tagesthemen" auch "Nationaler Spätschoppen" nennen können, Die Maischberger-Sendung war dann auch irgendwie keine Talkshow, sondern eher ein Klassentreffen: Ehemalige erinnern sich.

Dieckmann und Christiansen erinnerten sich, wie schwierig es war, sich als Frau in den 80er Jahren in der Männerdomäne der Nachrichten durchzusetzen. Wickert erinnerte sich fast an jede einzelne Sendung, Lojewski hatte ein bisschen Probleme mit der Erinnerung: einmal nannte er den 9. September als großes Datum, und es wurde nicht klar, ob er nicht vielleicht den 11. September oder den 9. November meint.

Schlimm war das nicht, denn schließlich ging es nicht um Geschichte, sondern um Anekdoten, das war auch keine Talk- sondern eine Plaudershow, und obwohl man sich als Zuschauer nach fünf Minuten gefragt hat, worüber die jetzt noch eine Stunde reden wollen, redeten die einfach noch eine Stunde miteinander. Darüber, wie es ist, eine Sendung zu moderieren, die einen persönlich betrifft (Sabine Christiansen musste in den "Tagesthemen" über den Tod von Hanns-Joachim Friedrichs sprechen) und darüber, warum es für einen "Tagesthemen"-Moderator eine schwierige Gratwanderung ist zwischen Meinung, Haltung und Objektivität.

Man hörte dieser Runde gerne zu - vor allem, weil keiner der Beteiligten den Fehler machte, sich selbst oder seinem Job eine größere Bedeutung zu geben. Alle wissen: Der Star ist das Format. Bei solchen Moderatoren kann das auch noch sehr lange so bleiben.

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