TV-Kritik zu Günther Jauch : Im katholischen Bannkreis

Günther Jauch will in seiner Talkrunde handfeste Beweise gegen den Limburger Bischof Tebartz-van Elst vorlegen lassen. Doch Gäste und Moderator steigen nicht in die Untiefen der katholischen Kirche hinab.

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Günther Jauch will in seiner Talkrunde handfeste Beweise gegen den Limburger Bischof Tebartz-van Elst vorlegen lassen.
Günther Jauch will in seiner Talkrunde handfeste Beweise gegen den Limburger Bischof Tebartz-van Elst vorlegen lassen.Foto: dpa

Jetzt kommt das Gottesgericht. In Rom, beim Papst Franziskus, dem Stellvertreter auf Erden. Franz-Peter Tebartz-van Elst, der Limburger Bischof, hat sich zu eigenem Frommen und Nutzen hoffentlich im Büßergewand aufgemacht, selbst wenn der Bequemsessel im Flieger als Upgrade angeboten worden sein sollte. Tebartz-van Elst steht unter strengster Beobachtung, da er seinen Bischofssitz für „Schöner Wohnen“ schmuck gemacht hat.

Vor dem Gottesgericht kommt das Fernsehgericht. Nur logisch in einer Gesellschaft, in der knapp 23 Millionen Deutsche „katholisch“ als Konfession ankreuzen und deren Glauben sich zumeist im Abdrücken der Kirchensteuer zeigt; die katholische Kirche kassiert pro Jahr knapp fünf Milliarden Euro. Die Kirchen sind leer, die Fernsehsessel bestens gefüllt. Ein Fall für „Günther Jauch“. Und 5,55 Millionen Zuschauer.

Günther Jauch will handfeste Beweise gegen den Limburger Bischof vorlegen

Glaube ist schwer verhandelbar, das Geld fremder Leute dagegen sehr. Günther Jauch will in seiner Talkrunde über den „Protz-Bischof“ handfeste Beweise für die Verschwendungssucht des Limburgers vorgelegt sehen und über die wahren Aufgaben der Amtskirche diskutieren lassen. Er hat dafür die am meisten katholische Runde des Fernsehjahres zusammengeholt: Stephan Ackermannn, Bischof von Trier, der katholische Theologe und Arzt Manfred Lütz, CDU-Herz-Jesu-Katholik Norbert Blüm, Jochen Riebel von der Hessen-CDU und Mitglied im Vermögensverwaltungsrat des Bischöflichen Stuhl Limburg. Eine einzige Frau sitzt in der Runde: Christiane Florin von der „Zeit“-Beilage  „Christ und Welt“. Die Journalistin war schon am Sonntagnachmittag Gast in einer ARD-Sendung, im „Presseclub“. Frauen und Katholismus, das ist eine ganz schwierige Beziehung, Frauen sind da nachrangige Menschen, dienende Objekte. Florin nennt den Bischof nicht mehr tragbar. Selbst Ackermann, der Bischofsbruder, hält Tebartz-van Elst für a.D., gibt sich voller Hoffnung, dass Rom für den Geistlichen eine Aufgabe fern von Limburg findet.

Bischof Tebartz-van Elst kehrt nicht nach Limburg zurück
Der Papst und Franz-Peter Tebartz-van ElstWeitere Bilder anzeigen
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26.03.2014 13:53Der Papst hat entschieden: Limburg bekommt einen neuen Bischof, der umstrittene Kirchenmann Franz-Peter Tebartz-van Elst wird...

Die evangelische Kirche passt besser in die Mediengesellschaft

Die Runde steigert sich nicht zu einer Generalabrechnung mit der katholischen Kirche, so selbstbezogen, hierarchisch von oben nach unten diese Organisation aufgebaut sein mag. Wäre die katholische Kirche am besten protestantisch aufgestellt? Da denkt man doch sofort an Katrin Göring-Eckardt oder Margot Käßmann oder Peter Hahne. Weltgewandte Sozialarbeiter mit Bibelkenntnissen und passgenauen Zitaten. Die evangelische Kirche mag trocken, staubig, sinnenfrei herüberkommen, aber ihre Bewegungsfähigkeit in einer Mediengesellschaft ist beachtlich, zeitbezogen, modern. Der Bundespräsident, die Bundeskanzlerin kommen nicht zufällig aus dieser Ecke. Katholische Würdenträger – allein dieser Begriff schon! -  wirken derart von der erdabgewandten Seite des Mondes, dass sofort Misstrauen entsteht. Auf beiden Seiten, diesseits und jenseits der hohen Mauern vom Bischofssitz. Zudem wird das allgemeine Wissen über die Innereien der Glaubensorganisation bestimmt mehr von der TV-Sauerei „Borgia“ geprägt sein als von profunden Einblicken. Ein Bischofssitz ist ein Arkanum, selbst schwarze Kassen stehen offenbar in den Kellern. Auf jeden Fall ein riesiges Einfallstor, durch das Kirchenfeinde, Agnostiker und Atheisten mit lautem Hurra rennen.

Da will, da muss Günther Jauch für ein Quantum mehr Innensicht sorgen. Einige Strukturen werden deutlich, zugleich, dass die Finanzen der meisten Bischofssitze völlig intransparent sind. Die Kirche, und vielleicht nicht nur die katholische, ist eine sich selbst kontrollierende Macht. Aber die Runde und ihr Moderator wollen nicht in die Untiefen steigen. Sondern beim neuen Strahlemann, bei Papst Franziskus, der seinem Namen alle Ehre zu machen scheint, neue Hoffnung arrondieren. Da leuchten die Augen. Kurz bevor es zu heimelig und voradventlich wird, schüttet die Jauch-Truppe wieder Wasser in den Wein. Es geht um die Rolle der Frau, um den diskriminierenden Umgang mit Geschiedenen. Bischof Ackermann möchte Bewegung in diesen Fragen, verspricht Veränderung.

Tebartz-van Elst wird in dieser Runde nicht abgesägt

Was der Gesprächsrunde nicht nur an dieser Stelle fehlt: Widerstand, auch Wut über diese katholische Kirche. Warum sitzt kein empörter Gläubiger aus Limburg im Gasometer? Christiane Florin ist sehr um verschärfte Fragen, um Kritik bemüht, doch die Männerrunde tritt nicht aus ihrem katholischen Bannkreis. Da müsste Jauch beistehen, die Kavallerie satteln, schärfer rangehen. Der Moderator bevorzugt den Säuselton, seine Statements sind schallgedämpft. Auch wenn dieser Satz sehr, sehr schwerfällt: Eine Alice Schwarzer täte dieser Diskussion enorm gut. 

 

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