TV-Markt : Marathon-Murdoch

US-Tycoon Rupert Murdoch kann es nicht lassen. Er will auf dem deutschen Fernsehmarkt Fuß fassen. Der Pay-TV-Sender Premiere soll mit Free-TV wachsen.

Joachim Huber,Tim Klimeš
Murdoch
Murdoch will im vierten Anlauf auf dem deutschen TV-Markt landen. -Foto: dpa

Michael Börnicke kann rechnen. Und weil der Vorstandschef der Premiere AG rechnen kann, rechnet er mit einem sicher nicht: Dass der Pay-TV-Sender den FreeTV-Sender Sat 1 tatsächlich kaufen kann. „Wir haben einen Stein ins Wasser geworfen“, sagte Premiere-Sprecher Thorsten Fricke nach entsprechenden Äußerungen von Börnicke. Katja Pichler, Sprecherin von Pro Sieben Sat 1, sagte: „Wir haben keine Absicht, Sat 1 zu verkaufen.“ Es habe auch keine Gespräche gegeben.

Interessanter als der Name Sat 1 ist das Signal, das Börnicke mit breiter Brust in den nach den USA zweitgrößten Fernsehmarkt der Welt geben will. Das Pay-TV Premiere will wachsen, der Sender will dauerhaft in die schwarzen Zahlen kommen, der Umsatz soll von derzeit einer Milliarde Euro mittelfristig auf zwei bis drei Milliarden Euro steigen – durch eine Verbindung von Bezahlfernsehen und werbefinanziertem Free-TV.

Ob das alleine die Idee von Börnicke ist? Auf jeden Fall hat er starken Rückenwind für die angestrebte Expansion. Der Wind bläst vom Atlantik rüber, von Rupert Murdoch, dem strategischen Investor beim Münchner Sender. Murdochs News Corporation hat den Anteil bei der Premiere AG seit Anfang des Jahres sukzessive aufgestockt, er liegt jetzt bei 22,7 Prozent. Die Richtung ist klar: 25,1 Prozent hieße Sperrminorität, sollte News Corporation die Marge auf mehr als 30 Prozent steigern, muss der Konzern ein Übernahmeangebot unterbreiten.

Beides zusammengenommen, die Einflussnahme bei Premiere plus das Kaufinteresse an Sat 1, lassen die Branche nicht zweifeln. Murdoch ist zurück auf dem deutschen TV-Markt, nicht ausgeschlossen, dass seine Wachstumsstrategie das größtmögliche Ziel hat – eine dritte Sendergruppe im Privatfernsehen neben Pro Sieben Sat 1 und der RTL Group.

Sat 1 ist der Wunschkandidat. Der Austausch zwischen dem Free-TV-Sender und dem Pay-TV bei den Rechten zur Fußball-Champions-League läuft zur Zufriedenheit beider Seiten. Da steckt ein Vorbild, wenn nicht ein Modell für eine weitergespannte Wertschöpfungskette drin. Und wäre es für den angekündigten Kauf von TV-Rechten an der Fußball-Bundesliga, dem Kerngeschäft von Premiere, nicht hilfreich, wenn zusätzlich zum Abosender eine Plattform im Free-TV zur Verfügung stünde?

Mit dem Kaufinteresse an Sat 1 zeigt Premiere, dass nicht der mühsame Aufbau eines Senders geplant wird, sondern ein Fertigprodukt einverleibt werden soll. Mögen bei Sat 1 die Marktanteile auch noch nicht das gewünschte Volumen von elf Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen erreicht haben, der Berliner Sender ist der umsatzstärkste im Pro Sieben Sat 1-Verbund. Dort hängt jeder Sender – Kabel 1, N 24, 9 Live – mit jedem Sender zusammen, das Herausbrechen von Sat 1 würde die Konstruktion stark gefährden. Die Eigentümer des Fernsehkonzerns, die Private-Equity-Häuser Permira und KKR, negieren jede Verkaufsabsicht. Doch der Konzern ist mit mehreren Milliarden Euro verschuldet, seitdem er 2007 die Sendergruppe SBS übernommen hat. Neben dem skandinavischen Abosender C. More soll deshalb auch die IT-Sparte der Gruppe verkauft werden – an IBM, wie das „Handelsblatt“ berichtet. Der mögliche Verkaufspreis für Sat 1 beläuft sich auf 1,5 Milliarden Euro. Nach den neusten Entwicklungen stieg die Aktie von Pro SiebenSat 1 kräftig, das Premiere-Papier verharrte auf der Stelle.

Dass Murdochs News Corporation Anfang des Jahres ausgerechnet bei Premiere einstieg, hat für viel Verwunderung gesorgt. Immerhin war der Medien-Tycoon bereits 2002 gemeinsam mit Leo Kirch und dem Bezahlsender in den Insolvenzstrudel geraten. Anderthalb Milliarden Euro hatte Murdoch 1999 für 25 Prozent an Premiere gezahlt. 1994 hatte Murdoch erstmals im deutschen TV- Markt mitgemischt. Für den symbolischen Betrag von einer D-Mark sicherte sich der Tycoon 49,9 Prozent am defizitären Bertelsmann-Sender Vox; sechs Jahre später hatte Murdoch genug, da hatte er sich längst bei TM 3 eingekauft, um aus dem Frauensender einen Fußballsender zu machen – mithilfe der Champions- League-Rechte. Ein weiterer Flop.

Nach nun sechs Jahren Abstinenz vom deutschen Fernsehmarkt macht Murdoch wieder ernst. Im März stellte er bei der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) einen Antrag auf Sendelizenz – für einen deutschen Fox Channel. Seitdem prüfen die MABB und die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK), ob Murdochs Ansinnen zulässig ist. Heute wird bei der KEK erstmals über seinen Antrag beraten. Murdochs Sat-1-Begehren wird dabei vorerst keine Rolle spielen. Reine Marktgerüchte hätten bei der Entscheidung keinerlei Einfluss, heißt es bei der KEK.

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