TV-Nutzung : 51,59 Millionen Deutsche sehen am Sonntag fern

Am Sonntag sehen mehr Deutsche fern als an jedem anderen Tag. Der Samstag ist Wochen-Schlusslicht.

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Grafik: Tsp/Schmidt
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Mit die spannendste Frage am kommenden Sonntag lautet: Wie viele Deutsche gehen zur Bundestagswahl? Nicht das schlimmste Ergebnis wäre es, wenn sich mehr Bürger mit eigenem Votum beteiligt hätten als nur die Ergebnisse in den Wahlsendungen des Fernsehens abzuholen. Es wird auf jeden Fall ein enges Rennen. Zu schlagen ist die Zahl von 71,9 Prozent, so viele Deutsche ab drei Jahren sehen aktuell an einem Sonntag fern. Bei der Bundestagswahl 2009 lag die Wahlbeteiligung bei 72,2 Prozent der Berechtigten (ab 18 Jahren). Mal sehen, was am 22. September 2013 herauskommt.

Die 71,9 Prozent bedeuten 51,59 Millionen Zuschauer (siehe Tabelle). Eine gewaltige Zahl und die Rekordhöhe für eine durchschnittliche Einschaltwoche 2013. Am Sonntag triumphiert das emotionale Erzählfernsehen, angeführt vom „Tatort“, über alle Programme hinweg. Die geschätzte Fiktion bekommt deutlich größere Sendeflächen, das Programm ist ruhiger, der Ablauf in weniger Sendungen getaktet.

Außerdem ist Sonntag der Tag, an dem das Wochenende ausläuft, der Wunsch nach Häuslichkeit regiert, mit dem Fernsehen der Übergang zur Schul-, zur Arbeitswoche gestaltet werden soll.

Der Lebensbegleiter „Fernsehen“ bestimmt offensichtlich auch den Montag, der beim Parameter der täglichen Zuschauer auf Platz 2 kommt. Danach fällt die Nutzung von Tag zu Tag – aber nicht spektakulär – ab. Freitag und Samstag sind Talsohlen der TV-Nutzung. Beide Tage sind die klassischen Ausgehtage, da kann im Fernsehen laufen, was auch immer laufen mag. Das jüngere Publikum sucht im wahren Leben die Alternative zum Zuschauerleben. Nun sind die Abstände zwischen den einzelnen Wochentage nicht gravierend. Am Samstag finden ein „Wetten, dass..?“ oder eine Stefan-Raab-Show oder ein ZDF-Krimi oder ein „Musikantenstadl“ ihr Publikum.

Der Abwärtstrend von Sonntag über die Wochentag Richtung Samstag mag auch damit zusammenhängen, dass nach Tagen des intensiveren Einschaltimpulses andere Aktivitäten wieder begehrter sind. Am Fernsehprogramm selbst kann es nicht liegen, die Sender richten ihren Aufwand nicht erkennbar nach dem Nutzungsertrag aus.

Die tatsächliche Sehdauer je Zuschauer unterscheidet sich von der wochentäglichen Nutzungsintensität in einem Punkt: Nicht der Montag, sondern der Samstag ist nach dem überragenden Sonntag der Tag mit der zweitstärksten Sehdauer. Und der Freitag kommt hier auf Rang drei.

Stefan Geese von der ARD-Medienforschung führt dieses Ergebnis auf die Beobachtung zurück, dass für viele Zuschauer am Wochenende „der Fernsehtag eben eher beginnen und auch später enden kann“. Frühgucker trifft Nachteule. Joachim Huber

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