TV-Preise : Graf gewinnt immer

Der Regisseur Dominik Graf holt seinen bereits neunten Grimme-Preis – und der ewige Kandidat Kurt Krömer endlich seinen ersten.

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„Dit is it.“ Alexander Bojcan holt für Kurt Krömer einen Grimme-Preis ab. Foto: RBB
„Dit is it.“ Alexander Bojcan holt für Kurt Krömer einen Grimme-Preis ab. Foto: RBBFoto: rbb/Sector3 Media GmbH/Ugur Tako

Die Zuschauer wird es überraschen. Das Fernsehjahr 2010 war ein überragendes Jahr der ARD. Jedenfalls ist das die Sicht der Jurys des 47. Grimme-Preises, die sich vornehmlich aus Vertretern der Volkshochschulen und der Fernsehkritik zusammengesetzt haben. Elf der zwölf undotierten Auszeichnungen gehen an Sender der ARD, nur eine an das ZDF, die Privatsender gehen zum zweiten Mal in 20 Jahren leer aus. Das Ergebnis steht in der Tradition dieses Fernsehpreises.

In diese Linie gehört auch, dass der Regisseur Dominik Graf stets ausgezeichnet wird, er gewann seine neunte Trophäe, jetzt in der Kategorie „Fiktion“ für sein Mafia-Serien-Epos „Im Angesicht des Verbrechens“, Fernsehen im Format und im Anspruch des Kinos. Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB), nicht gerade ein Riese im Senderrund, darf sich über rekordverdächtige drei Preise freuen. Noch ehe Alexander Bojcan „Krömer – Die internationale Show“ verrenten wird, hat er dafür bei Grimme 2011 in der Preiskategorie „Unterhaltung“ gewonnen; das wurde allerhöchste Zeit in Marl, denn kaum einer war in der Vergangenheit so häufig nominiert ohne zu gewinnen – sechs Mal. Für die Juroren müsste Bojcan seinen Krömer nicht aufgeben, so vielschichtig, wie die Figur sei.

Und dann ist der RBB für seine Anstrengung „20 x Brandenburg“ belohnt worden, nachdem es mit „24 h Berlin – Ein Tag im Leben“ nicht gereicht hatte. „20 x Brandenburg“ versammelt ebenso viele Blicke und Sichtweisen von Regisseuren und Autoren auf die Mark, ihre Menschen, Mentalitäten und Merkwürdigkeiten. Der Grimme-Preis dafür sollte den RBB zu immer neuen Experimenten ermutigen. Das Hochgefühl der Zweiländeranstalt abgerundet hat die prämierte Beteiligung des Senders an der Koproduktion „Die Anwälte – Eine deutsche Geschichte“ (WDR/NDR/RBB/Arte); laut Begründung verbindet sie aufschlussreich deutsche Zeitgeschichte mit der Lebensgeschichte der früheren Weggefährten Otto Schily, Hans-Christian Ströbele und Horst Mahler. Überhaupt, die Jury „Information & Kultur“ hatte den historischen Blick, neben den „Anwälten“ wurde die Dokumentation „Aghet – Ein Völkermord“ (NDR) prämiert, in der Eric Friedler die Geschichte des Genozids an den Armeniern behandelt. „DDR ahoi“ (MDR/NDR) von Lutz Pehnert reflektiert die Ostseefahrernation.

Als Königsdisziplin deutscher Fernsehfiktion gilt der Krimi. Bei Grimme gilt das nicht, was das ZDF, das sich kaum noch einen Montagsfilm jenseits dieses Genres zutraut, zu spüren bekam. Nur einen Trostpreis gab es für die von Doris Dörrie inspirierte, deftige Klimakteriums-Serie „Klimawechsel“. Der Bayerische Rundfunk rettete die Krimi-Ehre, mit dem „Tatort: Nie wieder frei sein“ um Schuld und Selbstjustiz und dem Krimi-Drama „In aller Stille“. Weiter preiswürdig in der Sparte Fiktion: „Keine Angst“, ein Sozialfall mit Hoffnungsschimmer vom WDR. Der Erfolg für „Neue Vahr Süd“ (WDR/RB) kann allen Mut machen, die sich an die Verfilmung eines Romans (hier von Sven Regener) wagen.

In einem Grimme-Preis verbinden sich immer Produkt und Macher. Und mit Grimme 2011 verbinden sich das Gerade-Noch und das Endlich-an-der-Reihe, also werden Bojcan/Krömer sowie Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec als „Tatort“-Kommissare ausgezeichnet, also wurde bei der besonderen Ehrung des Deutschen Volkshochschul-Verbands nachgerade prophetisch gehandelt. Die Ehrung geht, wie schon länger bekannt, an den Entertainer und Moderator Thomas Gottschalk. Er wird in diesem Jahr die Moderation der ZDF-Show „Wetten, dass ..?“ aufgeben. Vorher kommt er zur Preisverleihung am 1. April in Marl, was der Veranstaltung im Stadttheater Glanz und Glamour verleihen dürfte. Joachim Huber

www.grimme-institut.de

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