TV-Rechte : Kirchenmaus besiegt Krösus

Die Zentralvermarktung der Fernsehrechte für die Bundesliga - sie belaufen sich derzeit auf rund 400 Millionen Euro für Erste und Zweite Liga - ist ein Stück Sozialdemokratie im Kapitalisten-Sport. Sie sorgt für zusätzliche Spannung.

Joachim Huber,Lars Spannagel
Kahn
Dass die Bayern in Cottbus verlieren können, belegt die Ausgeglichenheit der Liga. -Foto: ddp

Der Profifußball kennt allerlei Weisheiten. Eine heißt, Geld schießt keine Tore. Den jüngsten Beweis lieferte am vergangenen Samstag Energie Cottbus. Der Tabellenletzte aus der Lausitz besiegte den Tabellenersten, die Bayern aus München, mit 2:0. Kirchenmaus gewann gegen Krösus. Damit sich derartige Aufreger wiederholen, muss so etwas wie Chancengleichheit in der Bundesliga herrschen. Die Zentralvermarktung der Fernsehrechte – sie belaufen sich derzeit auf rund 400 Millionen Euro für Erste und Zweite Liga – ist ein Stück Sozialdemokratie im Kapitalisten-Sport. Nach dem Verteilungsschlüssel der Deutschen Fußball Liga (DFL) erhält der Meister maximal das Doppelte des Tabellenletzten. Die Bayern kalkulieren dabei mit einer Einnahme von 25 Millionen Euro, für Energie Cottbus, dessen gesamter Jahresetat bei 22 Millionen Euro liegt, wiegen diese Erlöse ungleich schwerer. „Die Zentralvermarktung ist für uns als kleinen Verein ganz wichtig. Wir brauchen unsere Anteile aus den Fernseherlösen, um überleben zu können“, sagt Manager Steffen Heidrich.

Das bislang praktizierte Modell steht in der Diskussion, ausgelöst vom Bundeskartellamt. Die Bonner Behörde prüft die zentrale Vergabe der Rechte, die ihr schon länger ein Dorn im Auge ist. „Die Zentralvermarktung von Medienrechten hat dieselbe Wirkung wie ein Preiskartell“, lautet die Einschätzung von Ralph Langhoff, dem Vorsitzenden der 6. Beschlussabteilung. Zugleich prüft das Bundeskartellamt die Verträge zwischen DFL und dem Vermarkter Sirius. Die Tochterfirma des Leo-Kirch-Unternehmens KF 15 garantiert der Liga ab der Saison 2009/2010 für sechs Spielzeiten wenigstens drei Milliarden Euro Einnahmen. Das Fundament des Deals ist die Zentralvermarktung.

Im Rahmen der Prüfung sind alle Profiklubs und die Fernsehsender zur Stellungnahme aufgefordert. Dabei sollen die Klubs unter anderem die Umsatzerlöse mit selbst verkauften Rechten angeben. Diese Eigenregie hat beispielsweise Bayern München im UefaCup betrieben, als der Klub die Rechte bis zum Achtelfinale dem Privatsender Pro Sieben verkaufte. Mit dem Viertelfinale gilt wieder die Zentralvermarktung.

Für Energie-Manager Heidrich darf an der geübten Praxis nicht gerüttelt werden, eine mögliche Einzelvermarktung je Klub lehnt er vehement ab: „Man muss aufpassen, dass man den Fußball mit so einer Entscheidung nicht kaputt macht.“ Bis 2009 ist mit einer Umkehrung nicht zu rechnen, bis dahin hat die EU-Kommission die Zentralvermarktung in Deutschland gestattet. Brüssel ist dabei nicht zu unterschätzen. Schon die Ausschreibung für die Spielzeiten ab 2009/2010 folgt einem sehr komplexen Prozess, den die EU diktiert hat.

Nicht ausgeschlossen, dass die Wettbewerbshüter in Brüssel sich gezwungen sehen, die Zentralvergabe europaweit für rechtswidrig zu erklären. Der Druck kommt dafür kommt vom global agierenden Medienmogul Rupert Murdoch. Zu dessen News Corporation gehört der Pay-TV-Sender Sky Italia. Dieser Sender hat bei der EU-Kommission eine Beschwerde wegen der geplanten Wiedereinführung einer zentralen Vergabe von Fernsehrechten im italienischen Profifußball eingereicht. Wie heise online berichtet, hatte Italiens Parlament ein Gesetz verabschiedet, wonach die TV-Vermarktung ab der Saison 2010/2011 nicht mehr in den Händen der einzelnen Vereine liegen soll. Die Politik will damit vor allem eine Umverteilung der Einnahmen zugunsten der kleineren Klubs erzwingen. Murdochs Initiative wird in deutschen Sender- und Klubkreisen interessiert verfolgt. Beim Pay-TV-Bundesligasender Premiere ist der Medienmogul der größte Einzelgesellschafter. Er versteht Fußball als Erlösquelle für das Abo-Fernsehen, nicht als Sport.

Die Bundesliga denkt und handelt anders. Zentralvermarktung ist das Signum für die Solidarität unter den Klubs; damit sind Spannung, Ausgeglichenheit und Attraktivität wenn nicht garantiert, so doch angelegt. „Für den Erhalt der Chancengleichheit in der Bundesliga hat die Zentralvermarktung eine große Bedeutung“, sagte Energie-Manager Heidrich. Und selbst der größte Bayern-Fan würde nach der Schmach am Samstag nicht behaupten, dass sein ruhmreicher Klub wegen zu wenig Geld in der Lausitz verloren hat. Geld schießt keine Tore, das müssen die Millionäre schon selber machen.

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