TV-Rechte : Neue Meisterschaft

Spaniens Sender klauen sich gegenseitig Fußballbilder. Das klingt nach Räuber und Gendarm, doch es geht um Milliarden.

Julia Macher
Nistelrooy
Im falschen Programm. Real Madrids Ruud van Nistelrooy bejubelt ein Tor gegen den FC Villareal. -Foto: dpa

Mehr als Bernd Schusters Team Real Madrid hielt am vergangenen Wochenende die Übertragung des Liga-Spiels Villareal gegen Madrid das spanische Fernsehpublikum in Atem. Ursprünglich sollte das Spiel im Pay-per-View-Verfahren bei Digital Plus gezeigt werden. Stattdessen war die Partie frei über den Privatsender La Sexta zu empfangen. Die Kamerateams des Bezahlfernsehens hatte FC Villareal vor verschlossener Tür stehen lassen. Denn der Klub hat einen Exklusivvertrag mit dem katalanischen Unternehmen Mediapro, einem der Hauptaktionäre von La Sexta – eine Vereinbarung, deren Rechtmäßigkeit von Digital Plus angezweifelt wird.

Der „Fußballkrieg“ zwischen Digital Plus/Audiovisual Sport (AVS) und Mediapro/ La Sexta hält seit Wochen die spanischen Zuschauer in Atem. Schließlich geht es um die Übertragungsrechte einer der lukrativsten Ligen der Welt. Erst in der vergangenen Woche fror AVS, die sich im Besitz der gesamten Ligarechte wähnt, eine dem Konkurrenten gewährte Erlaubnis für ein Match pro Spieltag ein. Der Privatsender konterte und verbot dem Pay-TV-Sender, Fußballspiele zu zeigen, an denen eine „seiner“ Mannschaften beteiligt ist. Derzeit hat Mediapro mit acht Vereinen Sonderverträge.

Undurchsichtige Vertragssituationen

Hintergrund des Krachs sind ein 2006 geschlossenes Abkommen zwischen beiden Parteien, dessen Gültigkeit Mediapro inzwischen anzweifelt, und die spanische Vergabepraxis. Im Gegensatz zu Deutschland, wo die Deutsche Fußball Liga die Übertragungsrechte für alle 36 ProfiKlubs aushandelt, schließt in Spanien jeder Verein seine eigenen Verträge ab.

Das machte sich Newcomer La Sexta zunutze. Der im letzten Jahr gegründete Sender forderte Digital Plus heraus und kaufte für die exorbitante Summe von einer Milliarde Euro die Übertragungsrechte der Spiele des FC Barcelona für die Saison 2008/2009 bis 2012/2013. Für die des Rivalen Real Madrid legte der Sender, in dem Geld des mexikanischen Medienmoguls Televisa steckt, noch einmal 100 Millionen drauf.

Konkurrent Sogecable, der bis dato die Rechte an 13 Vereinen besaß, fürchtete um seine Pfründe und vereinbarte mit Mediapro, die Rechte zu teilen: Danach sollte La Sexta ab der laufenden Saison jeweils ein Spiel gratis übertragen, die Zusammenfassungen senden und die internationalen Rechte vermarkten. Noch ausstehende Verhandlungen mit den Klubs sollten ausschließlich Sache der Gesellschaft AVS sein. Im Gegenzug bot Sogecable Mediapro an, Teilhaber an AVS zu werden. Als daraus nichts wurde, erklärte Mediapro den gesamten Vertrag für null und nichtig und setzte seine Shopping-Tour durch die spanischen Klubs fort. Sogecable verklagte das Unternehmen auf Schadensersatz. Mediapro-Präsident Jaume Roures kümmert das nicht: „Solange der Krieg andauert, werden wir weiter so viele Gratisspiele übertragen wie möglich,“ sagte er gestern. Zur Not auch mit geklautem Bildmaterial. Julia Macher

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben