Medien : TV schlägt sich selbst k.o.

Ein

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von Joachim Huber

Das wird ein harter Fight. Waldemar Hartmann hat angekündigt, er werde Box-Promotor Don King klarmachen, dass die ARD an ernsthaftem Sport interessiert sei und nicht an einer „Comedyshow“. Don King hatte nach dem Drei-Runden-Kampf Walujew - McCline die Schlagkraft des Russen lauthals gepriesen: Dem Amerikaner sei vor lauter Erschütterung die Kniescheibe herausgesprungen. Dazu lachte Don King sein Gewinnerlachen, schwenkte Schwarz-Rot-Gold und lobte die großartige ARD schlankweg für die nächsten Box-Übertragungen. „Waldi“ fand das gar nicht komisch. Er beharrte darauf, das Erste zeige lupenreinen Sport.

Das behaupten auch die anderen Boxsender: ZDF, RTL und neuerdings Pro 7. Da kann etwas nicht stimmen, zu viel Merkwürdiges ist in dieser Boombranche passiert. Dem Cruiser Marco Huck läuft der Gegner aus dem Ring davon, das angebliche Comeback des Axel Schulz ist die Lachnummer 2006, ständig werden Boxer wie McCline in der Abendsonne ihrer Karriere gecastet. Gern gewährt das Fernsehen die allerletzte Chance.

Die Sender übertragen längst nicht mehr Boxen, sie veranstalten Boxen, sie haben den Sport in ein Fernsehprogramm verwandelt. Ohne das Geld des Fernsehens wäre es um das Profi-Boxen in Deutschland schlecht bestellt. Die ARD finanziert den Boxstall Sauerland mit, das ZDF die Universum Box-Promotion, RTL ködert Schulz, Maske und Klitschko, Pro 7 nimmt den traurigen Rest.

Die Sauerlands tun, was sie können: Boxer auf Boxer wird in den Ring geschickt, und weil EM- oder WM-Fights die Zuschauermassen locken sollen, wird international eingekauft. Der Russe Walujew stellt sich dem Amerikaner McCline in erster Linie für die Einschaltquote in TV-Deutschland. Von den 60 ARD-Minuten waren knapp zwölf Minuten Kampf, der Rest Gesumme, Getue, Gequatsche. 7,34 Millionen haben zugeschaut. Das wird so nicht bleiben. Der Zuschauer weiß, wann er veralbert wird.

Es ist wirklich an der Zeit, dass sich Don King mit Hartmann trifft. Der Promotor muss unserem „Waldi“ per Infight beibringen, was Sache ist: Dem Boxsport ist die Mattscheibe rausgesprungen. Hier wird Boxfernsehen gemacht – und Waldemar Hartmann ist Teil der Show, die sich Sport nennt und TV-Unterhaltung ist.

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