TV-Sendung : Bauch statt Köpfchen

Comedian Dirk Bach moderiert auf Vox Deutschlands erste politisch korrekte Gameshow. Seit Anfang der 90er Jahre bereichert der Schauspieler, Moderator und Komödiant die deutsche Fernsehlandschaft.

Markus Ehrenberg
dirk bach
Das Dschungeloutfit hat Dirk Bach nun abgelegt. -Foto: dpa

Als die Grimme-Akademie neulich zum Thema „Zukunft der Primetime-Show“ tagte, stellte sie fest: Fernsehshows haben für den Zuschauer ein bisschen was von einem Naturereignis. Etwas davon hat auch Dirk Bach – nicht nur wegen seiner Leibesfülle. Seit Anfang der 90er Jahre bereichert der Schauspieler, Moderator und Komödiant die deutsche Fernsehlandschaft, weniger oder mehr erfolgreich, wie jüngst bei der Präsentation des RTL-„Dschungelcamps“ aus dem australischen Busch. Wer den quietschfidelen Bach von dort noch in bunten Hemden in Erinnerung hat, wird sich heute bei der neuen Gameshow „Power of 10“ die Augen reiben. Dort moderiert Bach im Nadelstreifenanzug mit Krawatte.

Neuer Showtrend, neue Berufung also für den Kölner, der am 23. April 47 Jahre alt wird und 1992 mit der „Dirk Bach Show“ (RTL) bekannt wurde? Bei Bach oder Kollegin Hella von Sinnen hat man immer auch das Gefühl, dass sie von Privatsendern an die Rampe geschickt werden, wenn es darum geht, 365 Tage Fasching im TV zu feiern. Bach selbst sieht das natürlich ein bisschen anders. „Mir ist klar, dass es diese Einschätzung meiner Person im Fernsehen gibt, und das finde ich extrem unbefriedigend. Es gibt allerdings auch eine mittlerweile 30-jährige Theaterkarriere, und die beglückt.“

Für Vox, so hört man, soll der Fast-Intellektuelle Bach als Moderator für die etwas andere Wissensshow ein Glücksfall sein. Von wegen dauerdrollig – ähnlich wie Jauch sorgt Bach im Studio für die eine oder andere kluge Verunsicherung. Zwei Kandidaten müssen die Haltung der deutschen Bevölkerung zu bestimmten Fragen einschätzen. Allerdings wird dabei kein Wissen abgefragt. „Es kommt aufs Bauchgefühl an“, erklärt Bach. Im Unterschied zu ähnlichen Gameshows geht es durchaus politisch zu. Die Schätzfrage, die sich der Kandidatin Silke heute Abend auf dem Wege zum Gewinn von einer Million Euro in den Weg stellt, wäre ohne den bekennenden Homosexuellen Dirk Bach wohl undenkbar: „Wie viel Prozent der Deutschen sagen, sie würden nicht mit jemandem in einem Pool schwimmen, wenn sie wüssten, dass er oder sie HIV-positiv ist?“

Die Auflösung auf die ungewöhnliche Frage nach deutscher Toleranz und Aufgeklärtheit (O-Ton Bach: „So große Dummbeutel sind wir auch nicht“) sei nicht verraten, Vox und seinem Neumoderator ist angesichts solch politisch korrekter Unterhaltung aber der eine oder andere Marktanteil zu wünschen. Demnächst will sich Deutschlands langlebigster Comedian dann wieder bekannterem Terrain widmen. Dirk Bach produziert „voller Optimismus“ eine neue Sketchcomedy für Sat 1. Markus Ehrenberg

„Power of 10“, Vox, 22 Uhr 15, Montag bis Freitag; dann wöchentlich

ab 29. April, 20 Uhr 15

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