TV-Sensation : Thomas Gottschalk geht zu RTL

Vor etwas mehr als zwei Wochen lief in der ARD die letzte Sendung von "Gottschalk Live". Nun hat der Entertainer eine neue Heimat gefunden. Von Herbst an wird Thomas Gottschalk bei RTL zu sehen sein - als Juror im "Supertalent".

von
Überraschend: Thomas Gottschalk stellt sein Talent künftig RTL zur Verfügung.
Überraschend: Thomas Gottschalk stellt sein Talent künftig RTL zur Verfügung.Foto: ARD

RTL ruft zum "Titanen-Gipfel". Thomas Gottschalk wird in der neuen, der sechsten Staffel der Castingshow "Das Supertalent" mit Dieter Bohlen die Jury bilden. Dies bestätigte RTL am Freitag und kündigte an, dass der „Showgigant“ und der „Poptitan“ im Herbst mit der „konzeptionell und dramaturgisch komplett neu aufgestellten“ Sendung starten werden. Erst vor zwei Wochen hatte Gottschalk seinen Abschied im Ersten genommen, nach dem Scheitern mit der Vorabendshow „Gottschalk Live“. Dass ihn RTL-Chefin Anke Schäferkordt mit der Senderikone Bohlen zusammenspannt, darf als größtmögliche Offensivaktion des Privatsenders gesehen werden. Der Marktführer im Fernsehen will der Konkurrenz zeigen, wo großes Fernsehen gemacht wird.

Thomas Gottschalk löst mit dem Engagement seine Arbeitsplatzfrage schneller als gedacht. Eigentlich wollte, sollte er bei der ARD bleiben. Deren Programmdirektor Volker Herres meldete sich so zu Wort: „Mit Auslaufen der Staffel ‚Gottschalk Live‘ ist Thomas Gottschalk nicht mehr exklusiv an die ARD gebunden. Wir hatten uns aber mit ihm verabredet, über gemeinsame Projekte nachzudenken. Konkrete Pläne gibt es allerdings nicht.“ Entscheidungsprozesse in der ARD sind eine zähe Veranstaltung, und eine vielversprechende Programmidee für Gottschalk war längst nicht in Sichtweite.

Thomas Gottschalk und "Wetten dass...?!" - eine Erfolgsstory:

Thomas Gottschalk und "Wetten, dass ...?"
12. Februar 2011: ZDF-Moderator Thomas Gottschalk kündigt vor laufender Kamera an, im Sommer zum letzten Mal die Unterhaltungssendung "Wetten, dass ...?" zu moderieren.Weitere Bilder anzeigen
1 von 13Foto: dpa
12.02.2011 17:0412. Februar 2011: ZDF-Moderator Thomas Gottschalk kündigt vor laufender Kamera an, im Sommer zum letzten Mal die...

Da hat RTL zugeschlagen und Gottschalk eingeschlagen. „Ich habe gemerkt, dass das Publikum mich auf der großen Showbühne sehen will – und genau die hat mir RTL geboten.“ Der Entertainer und der Sender sind sich nicht fremd, Gottschalk hat zwischen 1990 und 1995 eine Personality- und dann eine Late-NightShow für die Kölner präsentiert. Kreiert werden soll jetzt eine Win-win-Situation. Der Ex-„Wetten, dass..?“-Zuschauerkrösus musste fürchten, dass er auf (un-)absehbare Zeit für das Publikum unsichtbar wird. Das ist im schnelllebigen TV-Geschäft eine gefährliche Situation – die Gefahr des Vergessen-Werdens riesig. RTL offeriert Gottschalk die Chance, bei einer eingeführten 20-Uhr-15-Showunterhaltung einzusteigen. Das Ersten hat derartiges nicht im Programm, bei einer Novität wäre da wieder dieses Risiko gewesen, das bei „Gottschalk Live“ zum Absturz geführt hat. Vielleicht hat der Entertainer deswegen und wegen des fürchtenden Vorruhestands eine Panikattacke erlitten. Und Geld spielt immer eine Rolle.

Aufstieg und Niedergang von "Gottschalk Live":

Aufstieg und Niedergang von "Gottschalk Live"
Die Lösung? Thomas Gottschalk (links) und Harald Schmidt könnten als Dauer-Unterhalter auf dem ZDF-„Traumschiff“ anheuern. 2009 haben sie es schon gemacht – und es war so großartig, dass Inka Bause jubelte und trubelte.Weitere Bilder anzeigen
1 von 10Foto: ZDF/Dirk Bartling
19.04.2012 22:35Die Lösung? Thomas Gottschalk (links) und Harald Schmidt könnten als Dauer-Unterhalter auf dem ZDF-„Traumschiff“ anheuern. 2009...

RTL hat gleichfalls kalkuliert. Im Gesamtpublikum wie auch in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen ist der Erfolg 2012 mäßig. Die Quotenprobleme resultieren insbesondere aus der nachlassenden Attraktivität der Castingshows, als da sind „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) oder „Das Supertalent“ (Ausgabe 2011: 3,6 Millionen in der Zielgruppe). „DSDS Kids“ war ein satter Flop. Trotzdem glaubt der Privatsender unverdrossen an den Magnetismus der Casting-Formate. Was aber passieren muss, das ist Reform, Auffrischung, ein Setting, das wieder Interesse generiert. Also haben Senderchefin Schäferkordt und Unterhaltungschef Tom Sänger eine neue, erst mal aufsehenerregende Jury gecastet. Sylvie van der Vaart, 34, und Motsi Mabuse, 31, müssen dafür gehen. Aber für beide muss das Ende beim „Supertalent“ nicht das Ende bei RTL sein.

Sehr spannend wird die Frage, ob das angestammte RTL-Publikum den 62-jährigen Gottschalk und den 58-jährigen Bohlen zusammen sehen will. 2011 war der durchschnittliche RTL-Zuschauer bei 46 Jahren angelangt, da tut sich schon eine Lücke zu den Moderatoren auf. Bohlen mit „DSDS“ und Gottschalk mit „Wetten, dass..?“ waren bislang Rivalen um die Publikumsgunst. Jetzt werden sie Kollegen und müssen als Duo die Konkurrenz das Fürchten lehren. Wenn es denn passt.

Autor

42 Kommentare

Neuester Kommentar