TV-SERIE : Diagnose: Geldgier

„Dr. House“: Warum RTL auch Staffel 5 für Wiederholungen unterbricht

Joachim Huber
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Schweinegrippe? Für einen wie Dr. House (Hugh Laurie) keine Herausforderung. Foto: RTL

Die wahren, die echten „House“-Fans können über diese Malaise nur lachen. Wenn der Schlaufuchs und seine Mannschaft heute das Ehepaar Charlotte und Eddie (starring: Meat Loaf!) gesunden lassen, dann ist es um 22 Uhr 15 aus mit „New-House“ – danach geht es in die Wiederholung. Die heutige 106. Folge ist keineswegs das Finale von Staffel 5, da fehlen noch vier Episoden. RTL, der deutsche „House“-Sender, wird vom 24. November an bis März 2010 eine Menge Folgen aus dem Jahrgang 2008 erneut ausstrahlen.

Die Hardcore-Housianer lassen von solcher Programmierung nicht düpieren. Sie haben alles auf DVD, im amerikanischen Original. Der Rest der Zuschauer ist groß, er ist die Mehrheit. Mancher ist irritiert, einige sind verärgert, warum RTL – nicht zum ersten Mal – eine „House“-Staffel filettiert. Die US-Serie nach einer Idee von David Shore ist ja beides: episodisch wie episch. In jeder Folge wird ein Fall über Wege, Umwege und Irrwege diagnostiziert. Patient kommt, Patient geht. Diese Taktung wird vom großen Erzählbogen überwölbt. Dr. House, sein Team, die Kolleginnen und Kollegen, die Freunde und Feinde des Medical Doctors haben und leben individuelle wie kollektive Biografien. Das sind die roten Fäden im Krankenhausroman. Gregory House und Lisa Cuddy und James Wilson, Eric Foreman und Remy „13“ Hadley, wer mit wem, wer gegen wen, alles mit Wieso, Weshalb, Warum unterfüttert. Das ist Chronologie und weit mehr als das.

Die RTL-Serienredaktion weiß darum. Sprecher Claus Richter sagt, der Ärger um die unterbrochenen Staffeln halte sich in engen Grenzen. Wäre es anders, würde der Sender mit seinem sehr erfolgreichen Produkt anders als mit dieser Mischung aus neuen und alten Folgen umgehen. Jede frische Folge von „Dr. House“ übersteigt locker die Fünf-Millionen-Grenze, selbst Wiederholungen und Re-Re-Runs können mehr als viereinhalb Millionen Zuschauer und Marktanteile über 20 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen holen. Die Sucht der Zuschauer nach diesem Hausarzt ist unkaputtbar, die Sucht des Senders nach Werbegeldern ebenso.

RTL hat ein Einschalt-Muss kreiert: 21 Uhr 15 am Dienstag bei RTL ist „Dr. House“-Time. Ein Ganzjahrestermin. Mögen die einzelnen Staffeln im Schnitt auch nur 20 bis 24 Folgen haben, bei RTL wird die US-Serie über ein saisonales Angebot hinaus zum Jahresangebot aufgemotzt. Seit „Dr. House“ im März 2006 bei RTL gestartet wurde, gab es nur in diesem Jahr eine Sommerpause, ansonsten wird mittels alter und neuer Folgen über zwölf Monate gezogen.

Sehr wichtig für RTL sind dabei zwei Termine. Im Frühjahr und im Herbst werden jeweils neue Episoden ausgestrahlt, da kann der Sender mit dem größten Zuschauerinteresse rechnen. Heißt: Die restlichen vier Folgen aus Staffel 5 laufen von März 2010 an, der sich sogleich Staffel 6 anschließt. Auch hier wird im Sommer wieder für eine Reihe von Wiederholungen unterbrochen, damit für den Herbst Neuware zur Ausstrahlung anstehen kann.

RTL-Sprecher Claus Richter begründet diese Manier auch mit der aufwendigen und sorgfältigen Synchronisation dieser mit Fachwissen und Fachtermini durchsetzten Produktion. „Wir hätten nach dem 17. November erst einmal keine fertig synchronisierten Episoden von ,Dr. House’.“ Eine Folge davon, dass RTL dem Ausstrahlungsrhythmus der originalen US-Version immer dichter auf den Fersen ist. Im US-Programm Fox läuft gerade Staffel 6.

Das Verfahren findet übrigens bei den anderen Erfolgen am RTL-Seriendienstag ebenfalls Anwendung. „CSI: Miami“ ist über Re-Runs und Neuausstrahlungen ebenfalls zum Ganzjahresprogramm hochgetunt, ähnlich bei „Monk“. Kann man so machen, muss man aber nicht: Der private Konkurrent ProSieben setzt beispielsweise nach einer Staffel „Desperate Housewives“ eine andere Serie ein, ehe wieder zu Freud und Leid in der Wisteria Lane eingeladen wird.

Achtung, „Monk“-Fans: Die Serie endet definitiv nach der achten Staffel, was bei RTL Ende 2010 bedeutet. „CSI: Miami“ und „Dr. House“ sehen vorerst keine Schlusslichter. Hugh Laurie hat sich bis 2011 als medizinischer Sherlock Holmes verpflichtet, RTL wird das „Dr. House“-Spiel bis Ende 2012 spielen.

Das Schweizer Fernsehen SF 2 unterbricht Staffel 5 nicht. Aber dieser Sender ist öffentlich-rechtlich.

„CSI: Miami“, 20 Uhr 15; „Dr. House“, 21 Uhr 15, „Monk“, 22 Uhr 15, RTL

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