TV-Serie : Zwischen Mehmet und Max

Neues Futter für eine Serie, die sich mit vollen Händen im Arsenal deutsch-türkischer Klischees bedient und beweist, dass der Zusammenprall der Kulturen im Grunde ziemlich komisch ist. Die Geschichte des Adnan Maral, Serienheld in "Türkisch für Anfänger".

Thomas Gehringer
Türkisch für Anfänger
Türkische Sorgen, deutsche Sorgen. Vater Metin hat von seinem Sohn Cem erfahren, dass dieser durchs Abi gerasselt ist. -Foto: ARD

Zwischen „Hasi 1“ und türkischem Macho ist viel Raum – Platz zum Spielen für Adnan Maral, der in der ARD-Vorabendserie „Türkisch für Anfänger“ den Patchwork-Vater und kreuzbraven Polizeikommissar Metin Öztürk gibt. In der dritten Staffel tauchen Metins Mutter und ein Cousin auf, das gibt sicher ein großes Hallo bei den Schneider-Öztürks. „Diese Welt, der türkische Familienhintergrund, ist bisher kaum berührt worden“, sagt Maral. Neues Futter also für eine Serie, die sich mit vollen Händen im Arsenal deutsch-türkischer Klischees bedient und beweist, dass der Zusammenprall der Kulturen im Grunde ziemlich komisch ist. Zur Belohnung gab es für „Türkisch für Anfänger“ den Grimme- und den Deutschen Fernsehpreis. Die Quoten blieben jedoch mau. Die dritte Staffel werde „wahrscheinlich“ die letzte sein, verrät Maral. Allerdings gebe es die Überlegung, einen Kinofilm zu drehen.

Der 40-jährige, in Ostanatolien geborene und in Frankfurt aufgewachsene Maral hat eine dieser Erfolgsgeschichten aus der zweiten Migrantengeneration zu bieten: Seine Eltern kamen 1970 nach Frankfurt. „Für sie, die in einer Fabrik arbeiteten, war es ganz wichtig, dass wir Kinder Bildung bekamen“, sagt Maral. Die Familie habe in einem „Brennpunktviertel mit viel Kriminalität“ gelebt, berichtet er. Er selbst habe nicht gewusst, was er mit seinen Energien anfangen solle. „Das Ganze lief nur auf Schlagen und Schuleschwänzen hinaus.“

Zum Schlüsselerlebnis wurde für den jungen Adnan ein Schulausflug ins Theater. Dort wurden die Schüler zum Mitmachen aufgefordert, und weil sich sein damaliger Schwarm gemeldet hatte, wollte auch Adnan nicht kneifen. Es machte Spaß, einer seiner beiden älteren Brüder warb ihn für die Schultheatergruppe, und bei der ersten Aufführung war Marals Lehrer, „der mich fast schon abgeschrieben hatte“, schwer beeindruckt. Das war der Wendepunkt. Maral schaffte den Sprung von der Realschule in die Oberstufe, wurde Schulsprecher, gründete mit anderen eine Gruppe gegen Ausländerfeindlichkeit.

Nach dem Abitur absolvierte er eine Schauspielausbildung und ein Regiestudium, doch die Möglichkeiten eines türkisch-deutschen Darstellers blieben zu Beginn der neunziger Jahre begrenzt. „Es gab nur Dönerverkäufer und kleine Kriminelle, die alle Mehmet hießen – es war frustrierend“, sagt Maral. Die Medien seien heute zwar offener und sensibler, dennoch hat er sich gerade selbst das Konzept für eine TV-Serie ausgedacht. Darin geht es um einen Juristen in Kreuzberg, der aussieht wie ein Türke, weil er einen türkischen Vater hat, aber Max Müller heißt. Ob die Serie jemals auf den Bildschirm kommt, ist offen.

Auf „Türkisch für Anfänger“ reagiere jeder auf seine Weise, sagt Maral. Die Türken würden sich freuen, dass auch mal über die Deutschen hergezogen werde. Ein türkischer Taxifahrer habe ihm erzählt: „Wissen Sie, meine Frau ist Sizilianerin. Bei uns geht es auch so ab.“ Ein deutsches Elternpaar habe geschrieben, dass sie einen besseren Zugang zum türkischen Freund ihrer Tochter gefunden hätten, weil sie gemeinsam die Serie geschaut hätten. Maral selbst, der mit seiner Schweizer Frau und zwei Töchtern in Berlin und München lebt, hatte die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt, aber letztlich nicht angenommen. „Nach 38 Jahren in Deutschland muss ich meinen türkischen Pass abgeben. Da verliere ich ein Stück weit meine Identität.“ Die Politik müsse sich bewegen, sagt er, besonders, um die junge Generation „zurückzuholen“. Die jungen Leute zwischen zehn und 20 seien „ein bisschen verloren, weil sie sich ein Stück weit selber ausschließen, aber auch ausgeschlossen werden“. In Deutschland müsse die Politik die Größe haben, dieser Generation zu sagen: „Ihr seid ein Teil dieser Gesellschaft. Das ist euer Zuhause, eure Heimat.“ Aus seiner eigenen Biografie weiß Maral, dass es zum Ankommen ein positives Umfeld braucht, „Menschen, die an einen glauben“. Ob es irgendwann einen Bundeskanzler – oder eine Kanzlerin – namens Schneider-Öztürk gibt? „Klar, warum nicht. Das fände ich super.“

„Türkisch für Anfänger“,

ARD, 18 Uhr 50

Videos zur Serie im Internet unter www.tagesspiegel.de

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