TV-Serien : Erfolg, verzweifelt gesucht

Alexandra Neldel rettet in "Unschuldig" Menschen aus dem Gefängnis. Rettet sie auch die deutsche Serie?

Sonja Pohlmann
Neldel
Neuer Job. Serienstar Alexandra Neldel spielt Rechtsanwältin Anna Winter. -Foto: Pro7

Die ganze Presse ist versammelt, als Unternehmer Claus Breidenbach sein neues Projekt vorstellt. Viele Millionen Euro will er damit machen. Doch plötzlich taucht Anna Winter auf, schwarzer Anzug, entschlossener Blick. Ihre Mission: Kämpfen für die Gerechtigkeit. Sie will Breidenbach das Geschäft vermasseln, sein wahres Gesicht enttarnen.

Das Ziel: vier Millionen Zuschauer

Die ganze Presse war versammelt, als Pro Sieben vergangene Woche sein neuestes Projekt vorgestellt hat: „Unschuldig“, die neue Krimiserie, die heute Abend startet. Viele Millionen Zuschauer will der Sender damit erreichen. Dafür taucht darin Schauspielerin Alexandra Neldel auf – in der Hauptrolle der Anna Winter. Damit ist sie als Hoffnungsträgerin der deutschen Fernsehbranche auserkoren: „Unschuldig“ soll endlich den Fluch brechen, der seit längerem auf deutschen TV-Serien zu liegen scheint.

Schließlich war es Neldel, die als dickliche, zahnbespangte Lisa Plenske die deutsche Serie mit der Sat-1-Telenovela „Verliebt in Berlin“ auf Erfolgskurs brachte. Zuletzt jedoch floppte eine deutsche Serie nach der anderen: „Lotta in Love“ kam beim Pro-Sieben-Publikum ebenso wenig an wie „Verrückt nach Clara“. RTL setzte „Die Anwälte“ mit Kai Wiesinger und „Herzog“ mit Niels Ruf wegen schlechter Quoten schneller ab, als das Publikum die neuen Serien bemerkte. Dass jetzt in „Unschuldig“ wieder eine Rechtsanwältin ermittelt, wird von Pro Sieben aber nicht als schlechtes Omen gedeutet. Schließlich spielt Neldel mit.

Das Format erinnert an US-Crime-Serien

Allerdings ist sie dieses Mal weder süß noch brav, sondern die durchsetzungsfähige und mutige Chefin eines ungewöhnlichen Teams. Mit Ex-Polizist Marco Lorenz (Clemens Schick) und Mediziner Sebastian Krüger (Erhan Emre) dreht sie als Anna Winter den Spieß um: Das Team bringt nicht Verbrecher hinter Gitter, sondern holt zu Unrecht verurteilte Menschen aus dem Gefängnis heraus. So wie in der ersten Folge den Familienvater Jürgen Naumann (Klaus J. Behrendt), der seine Frau nicht umgebracht haben will. Naumann schildert Winter und Lorenz noch einmal, was in der Mordnacht passierte, dann macht sich das Dreierteam an die Arbeit. In einem eher chaotischen, dafür umso hipperen Berliner Loft wälzen sie Akten und suchen die wahren Verbrecher in der Hauptstadt und den Lauben außerhalb. Die Schnitte sind schnell, die Musik bedrohlich – ein an US-amerikanische Crime-Serien angelehntes Format eben.

Trotzdem braucht der Zuschauer Geduld. Denn anstatt die Figuren zunächst in einem 90-Minüter einzuführen, erfährt der Zuschauer peu à peu, was sie bewegt. Dass sich Anna Winter beispielsweise für Unschuldige einsetzt, weil auch ihr Vater zu Unrecht verurteilt wurde und sich im Gefängnis umbrachte. Oder dass Womanizer Marco Lorenz an einer tödlichen Herzkrankheit leidet. Einerseits ist es spannend, dass sich Biografien wie Steine zu einem Mosaik zusammenfügen. Ein bisschen mehr Futter hätte der Serie in den ersten Folgen aber gut getan – süchtig wird man erst, wenn man weiß, wie gut etwas schmeckt.

Die Quote zählt

„Unschuldig“ wurde von Sascha Schwingel und Teamworx produziert. Auch für die renommierte Berliner Produktionsfirma ist diese Serie eine Bewährungsprobe. Mit Eventfilmen wie „Die Sturmflut“ und „Dresden“ hatte Teamworx mehr Erfolg als mit der RTL-Serie „Verschollen“. Mit den ersten Quoten von „Unschuldig“ wird sich zeigen, ob die Zuschauer Alexandra Neldel als rigorose Rechtanwältin ebenso schätzen wie als tapsige, graue Maus.

„Unschuldig“, Pro7, 20 Uhr 15

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