TV-Show : Schmerzkekslein

Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt laden zu „MTV Home“ ein - der einzigen Show mit einer Art Heimatgefühl.

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Klaas Heufer-Umlauf (links) und Joko Winterscheidt.
Klaas Heufer-Umlauf (links) und Joko Winterscheidt.Foto: MTV

Die Eltern von Klaas Heufer-Umlauf haben sich immer gewünscht, dass ihr Sohn etwas Normales macht. Er wurde deshalb erst Friseur, lernte Dauerwellentechniken und Facon-Schnitt. Heute ist er 27 und macht etwas, was seine Eltern vermutlich nicht mehr normal finden: er geht auf Porno-Messen, frühstückt nackt im Schnee – im Fernsehen, vor mehreren zehntausend Zuschauern.

Klaas Heufer-Umlauf ist Moderator beim Musiksender MTV. Jeden Freitag führt er zusammen mit seinem Kollegen Joko Winterscheidt, 31, durch die Sendung „MTV Home“. Es ist eine der wenigen Shows, die auffällt zwischen all den Comic- und Datingsendungen wie „Family Guy“, „Disaster Date“ oder „16 and pregnant“. Nicht allein, weil die beiden Moderatoren selten normale Dinge tun, sondern weil sie den Zuschauern zwischen all den austauschbaren Shows im internationalen MTV-Kosmos eine Art Heimatgefühl bieten.

Seit einem Jahr läuft „MTV Home“ jeden Freitag. Die Show ist auch ein Versuch, die Zuschauer enger an den Sender zu binden, der heute mehr bieten muss als nur Musik. Hatte MTV bei seiner Gründung 1981 noch damit aufgetrumpft, exklusiv Musikvideos zu zeigen und die großen Stars und Bands zu haben, ist die Generation Internet heute nicht mehr bereit, sich für solche Inhalte und dann auch noch zu festen Zeiten vor den Fernseher zu setzen. Längst sind Videoclips jederzeit im Netz verfügbar, die Idole vermelden selbst per Twitter und Facebook, wenn’s was Neues in ihrem Leben gibt.

Mit „MTV Home“ soll die Popkultur deshalb auf progressive und satirische Weise reflektiert werden, sagt Ralf Osteroth, Vice President Channel & Brand Management MTV. Bei Set und Dramaturgie will sich „MTV Home“ mit der Zuhause-Situation des Publikums gemein machen. Die Kulisse ist wie eine Wohngemeinschaft gestaltet, ein Tisch in der Mitte, daneben ein Sofa, die Gäste klingeln erst, bevor sie durch eine Requisiten-Tür auf die Bühne kommen. Sido war da, Peter Maffay, Matthias Schweighöfer, aber auch Menschenrechtsaktivist Rüdiger Nehberg. Am heutigen Freitag schaut Mario Barth vorbei.

Heufer-Umlauf und Winterscheidt wollen nicht nur Quatsch machen, sondern auch Ernst. „Man sollte nicht immer Angst haben, die Leute zu überfordern. 90 Prozent der Sendungen, die im Fernsehen laufen, unterfordern die Leute doch“, sagt Heufer-Umlauf. „Und gerade die auf schnelles Fernsehen konditionierte Zuschauerschaft kann doch umschalten und unterscheiden, was ernst ist und was überzogen.“ Viel umschalten müssen ihre Zuschauer allerdings nicht, der Unsinn nimmt in der Sendung den größten Platz ein. Beispielsweise das Spiel „Aushalten“. Da empfängt Joko Winterscheidt, der eigentlich Joachim heißt, seinen Kollegen Klaas im weißen Schutzanzug, führt ihn in einen mit weißer Plastikfolie ausgelegten Keller und drückt ihm ein kleines braunes Fläschchen in die Hand, darin Brechmittel. Heufer-Umlauf ziert sich ein wenig, fragt nach dem Sinn der Aktion, schluckt die 15 Tropfen, dann geht es los: Wer hält es länger aus, sich nicht zu übergeben.

„Aushalten“ ist so etwas wie die deutsche Version von der MTV-Sendung „Jackass“ (deutsch: wörtlich Esel; sinngemäß Vollidiot), in der Johnny Knoxville gefährliche Selbstversuche und Mutproben machte. Bei Winterscheidt und Heufer-Umlauf geht es ein wenig harmloser, dafür nicht sinnvoller zu. Sie berichten von Porno-Messen, wo sie nackte Pos beschriften, oder setzen sich so lange nackt auf den Balkon, bis einer aufgibt.

Geschämt habe er sich schon für manche der Auftritte, sagt Heufer-Umlauf. Beispielsweise, als er im Quatsch Comedy Club den Komiker gab, der alle Witze so sehr verriss, dass ihm das Publikum fast Prügel androhte. „Aber das Schöne daran, bei anderen Menschen ein Gefühl von Fremdschämen zu erzeugen, ist, dass man der einzige ist, der sich nicht fremdschämen muss – weil man sich für sich selber schämen kann“, sagt Heufer-Umlauf. Bedenken, ewig das Label der Quatschmacher zu tragen, haben sie nicht. „Quatsch zu machen ist ja nur eine Facette einer Person und das ist sicher nicht das Einzige, was wir können“, ergänzt Joko Winterscheidt.

Bei ProSieben können sie im kommenden Jahr beweisen, dass sie auch noch andere Facetten haben. Zusammen sollen sie die Spielshow „17 Meter“ moderieren, Endemol-Chef Marcus Wolter hat sie unter Vertrag genommen. „MTV Home“ sollen sie trotzdem weiter moderieren. Auf eine Mutprobe wird Winterscheidt auch künftig verzichten – sich von Heufer-Umlauf einen Haarschnitt verpassen zu lassen.

„MTV Home“, Freitag, 21 Uhr 30, MTV

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