TV-Tipp : Die Schmidts – die frühen Jahre

"Zeit"- Chefredakteur Giovanni di Lorenzo spricht mit Helmut und Loki Schmidt über die frühen Jahre.

Tilmann P. GangloffD

Streng genommen hätte man diesen Film auch mit den Meiers oder Müllers drehen können; vorausgesetzt natürlich, die Paare könnten wie die Schmidts auf 80 gemeinsame Jahre zurückschauen. Der Politiker Helmut Schmidt spielt in Gordian Mauggs Gesprächsporträt jedenfalls eine untergeordnete Rolle. Im Grunde genommen ist der Altkanzler bloß Beisitzer. Die meisten Fragen richtet „Zeit“- Chefredakteur Giovanni di Lorenzo an dessen Frau Hannelore („Loki“), die am 3. März 90 Jahre alt wird. Dabei geht es vor allem um die frühen Jahre: die gemeinsame Kindheit, die unterschiedlichen wirtschaftlichen Verhältnisse der beiden Familien, die Trauung während des Fronturlaubs. Der Film endet mit den Erinnerungen an die Nachkriegszeit, als Loki Schmidt mit ihrer Arbeit als Lehrerin die Familie ernährte, während Helmut studierte.

Dabei ging es doch jetzt erst eigentlich richtig los. 1953 ist Schmidt in den Deutschen Bundestag gewählt worden. Das aber bleibt eine Randnotiz. Zum Auftakt zeigt Maugg zwar eine Anekdote aus dem entsprechenden Wahlkampf, der Rest ist Rückblende. Das ist einerseits eine hübsche Abwechslung, denn über Schmidts Wirken hat man in den letzten Monaten viel gesehen und gelesen (am 23. Dezember ist er 90 geworden). Andererseits erstaunt es naturgemäß, wenn das Leben eines der wichtigsten deutschen Politiker (plus Ehepartner) nur zu einem Drittel erzählt wird, ganz so, als würden dem Auftaktfilm noch zwei weitere folgen (was zwar nicht geplant ist, vom NDR aber auch nicht völlig ausgeschlossen wird).

Davon abgesehen macht es Spaß, Loki Schmidt zu lauschen und dabei ihren Mann zu beobachten. Helmut Schmidt hört aufmerksam zu, mischt sich hin und wieder mit einer kleinen Verbesserung ein und reagiert des Öfteren auf besonders sympathische Weise: indem er einfach bloß vor sich hinschmunzelt. „Wir Schmidts“ ist in erster Linie ein Film über ein in offenbar tiefem gegenseitigem Respekt gemeinsam alt gewordenes Ehepaar. Maugg bricht die Illusion der Intimität mehrfach, indem er mit kurzen Zwischenschnitten die umtriebige Gesprächssituation mit den diversen Kameras und Technikern zeigt; umso erstaunlicher, dass unter diesen Werkstattbedingungen ein derart privates Gespräch zustande kommen konnte. Tilmann P. Gangloff

„Wir Schmidts“, ARD, 23 Uhr 30

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben