TV-Tipp : Feinde, Geld, Weiber

Qualitätsfernsehen auf RTL2: Der preisgekrönte Zwölfteiler "Rom" ist noch besser als sein Ruf.

Markus Ehrenberg
Rom
Szene aus "Rom". -Foto: Promo

Ein bisschen dicker, größer, schlauer – in der Rankingliste „Lieblings-Pressehefte“ sollte das Heft zur neuen RTL2-Serie ganz oben stehen. Professor Dr. Martin Jehne sei Dank. Normalerweise fallen einem beim Münchner Privatsender sofort Sendungen wie „Big Brother“ oder Doku-Soaps mit übergewichtigen Kindern ein. Im Vorwort zum Serienereignis dieses Sommers preist der Althistoriker den Zwölfteiler „Rom“, als ob es kein Gestern und kein Morgen gebe: „Wer sich auf die Serie einlässt, wird Rom riechen und schmecken können.“ Statt „Liebling, wir bringen die Kinder um!“ ab heute also römische Wochen. Statt Prekariat in 2007 Sklaven, Soldaten, Patrizier um die Zeit von circa 52 v. Chr. bis circa 27 v. Chr. Die Zeit von Wüstlingen (Antonius), Hitzköpfen (Cato), kühlen Rechnern (Caesar), politischen Genies (Octavius) und schönen, willensstarken, manchmal auch hemmungslosen Frauen, die im Hintergrund die Fäden ziehen.

Mit anderen Worten: Sex and crime. Ganz so banal ist es nicht. Wo die US-amerikanische-britische Koproduktion ausgestrahlt wurde, soll es schon eine Menge seriensüchtiger „Römer“ geben. Leute, die mal Caesars „De Bello Gallico“ gelesen haben und nicht wissen, auf welchem Knopf ihrer Fernbedienung sich RTL 2 befindet. Die Suche lohnt sich. Ohne, dass einen derlei Opulenz erschlägt – „Rom“ sieht man in fast jeder Szene, jedem Gässchen, jedem Kostüm, gar jeder Mahlzeit die 100 Millionen Dollar an. Es ist die teuerste Produktion in der Geschichte des Senders HBO („Sex And The City“, „Six Feet Under“). Bei der BBC fuhr die Serie mit 27 Prozent Marktanteil zur Primetime eines der besten Ergebnisse der Sendergeschichte ein. „Rom“ erhielt mehrere Auszeichnungen, darunter vier Emmys.

Ein Sandalenschinken à la „Ben Hur“ oder „Gladiator“? Nein, auch wenn es schlachtenwallmäßig gleich mit viel Blut losgeht, und der Ansatz, die Geschichte von Caesars Aufstieg, dem Ende der Republik und dem Aufstieg des Römischen Imperiums aus der Sicht einfacher Soldaten zu erzählen, ganz neu nicht ist. Wie sich aber die beiden ungleichen Kämpfer Lucius Vorenus (Kevin McKidd) und Titus Pullo (Ray Stevenson) an der Seite Caesars (Ciarán Hinds) gegen dessen einstigen Förderer Pompeius (Kenneth Cranham) schlagen, vertragen, gegenseitig verspotten und retten, das ist alleine schon sehenswert. Ebenso wie Caesars intrigante Nichte Atia (Polly Walker).

Je gelungener der Schurke, desto gelungener der Film, meinte Hitchcock. Angesichts der Fülle von Intrigen, Interessen, Winkelzügen und Akteuren schaukelt sich das Historienspektakel unter der Regie von Michael Apted („James Bond“) zu spannendem Qualitätsfernsehen hoch, empfehlenswert auch für diejenigen, die diese Zeit eher aus „Asterix“-Heften kennen. RTL2 wird damit gute Quote machen. Systemumbrüche sorgen immer für dramatische Zuspitzungen und tragische Verwicklungen, so dass sie sich in besonderer Weise für fiktionalisierte Gestaltungen eignen, erklärt Professor Jehne im Beiheft. Lieblingsheld Titus Pullo macht’s kürzer. „Ich töte meine Feinde, stecke Geld ein und nehme ihre Weiber.“

„Rom“, RTL2, 20 Uhr 15

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