TV-Tipp : Ich bin ein Monster

RTL2 überrascht mit der Hochglanzserie „Heroes“: Die neuen TV-Helden können fliegen und durchs Feuer gehen.

Lisa Wandt

In New York stürzt sich ein junger Mann von der Kante eines Hochhauses. Irgendwo in Texas lässt sich ein blondes Mädchen von einem Gerüst fallen. Doch die beiden sterben nicht. Was wie Selbstmord aussieht, sind nur die Versuche junger Menschen, ihre übersinnlichen Kräfte zu testen. Sie können fliegen, Katastrophen prophezeien und durch Feuer gehen. Und sie müssen New York vor dem Untergang bewahren. Aber das wissen sie da noch nicht.

Auch wenn die „Heroes“ (Helden) in der neuen, mit viel Aufwand beworbenen RTL2-Serie nicht Mutanten heißen, ähneln ihre Geschichten dem Kinofilm „X-Men“: Menschen mit außergewöhnlichen Kräften geraten in die Fänge einer Geheimorganisation. Was die Serie raffiniert macht, sind die psychologischen Abgründe, in die der Zuschauer eintauchen darf. Oder muss. Denn die Helden nehmen mitunter depressive Züge an. Es schlägt schon aufs Gemüt, wenn normale Bürger zu blutenden Wesen mutieren – und sich dabei keine Superman-Anzüge anziehen, sondern unter Tränen fragen: „Bin ich ein Monster?“ Wie die 16-jährige Claire, ein typisch amerikanisches Schulmädchen. Plötzlich bemerkt es, dass sich verstümmelte Finger bei ihr in Sekunden wieder aufrichten und sie nicht sterben kann. Oder der Künstler Isaac Mendez, der Bilder von Katastrophen malt, die kurz darauf wahr werden. Es ist nicht ganz einfach, sich in der Welt der Helden und ihrer Widersacher zu orientieren. Viele verschiedene Typen sind kennenzulernen, in Japan, Indien und den USA, jeder mit einer anderen Spezialität. Nur langsam merkt man, dass es nicht um Einzelschicksale geht, sondern um die ureigenste Bestimmung eines jeden Superhelden: Die Rettung der Welt.

Mit „Heroes“, das in den USA neben Traumquoten auch diverse Nominierungen für den Emmy einheimste, hat sich RTL 2 nach dem Echtzeitkrimi „24“ erneut eine US-Serie der Kategorie Hochglanz mit Anspruch gekauft. „Heroes“ schafft aber mehr als „Lost“, „Dr. House“ und „Desperate Housewives“. Die Mystery-Serie ist eine Mischung aus allem: Science-Fiction, Drama, Comedy und Alltag. Drehbuchautor Tim Kring vermengt dunklen Psycho-Thrill à la „Akte X“ mit zynischem Arzt-Talk wie in „Dr. House“. Wie seinem Bruder erklären, dass man fliegen kann? Was tun, wenn einen alle für verrückt halten? Vielleicht „Heroes“ gucken. Lisa Wandt

„Heroes“, RTL 2, 20 Uhr 15

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