TV-Tipp : Im Bärenstadl

Endlich: Ein Fernsehfilm arbeitet den tragischen Fall "Bruno" aus dem Sommer 2006 auf.

Katrin Hillgruber

Der Mensch verhält sich nicht artgerecht, zum großen Pech seiner tierischen Mitgeschöpfe. Weil die Braunbärin Jurka in einem italienischen Nationalpark von Schaulustigen gefüttert wurde, verlor sie die natürliche Scheu vor Menschen und lernte, diese als Futterspender zu betrachten. Dieses Wissen gab sie an ihre Jungen weiter. Ihr Sohn JJ1, besser bekannt als „Bruno“, war besonders gelehrig. Im Frühsommer 2006 streifte der Halbwüchsige in der Grenzregion zwischen Tirol und Bayern umher. Zwar plünderte er einige Ställe, doch kein Mensch kam zu Schaden, da dieser für Bären per se uninteressant ist. Nach missglückten Fangversuchen steigerte sich die Hysterie angesichts des „Problembären“ (Edmund Stoiber) von Tag zu Tag. Schließlich erließ der damalige bayerische Umweltminister Schnappauf einen Abschussbefehl, der am 26. Juni 2006 in die traurige Tat umgesetzt wurde. In einer Gesellschaft, die den artgerechten Umgang mit Wildtieren verlernt hat, scheint nur ein ausgestopfter Bär ein guter Bär zu sein. Eine Sendung wie Elstners „Das unglaubliche Quiz der Tiere“ erzielt ansehnliche Einschaltquoten. Dagegen wäre nichts zu sagen, gingen die Ratespiel-Gewinne an Tierschutzorganisationen und nicht an Projekte der ARD-Fernsehlotterie.

Genauso halbherzig fällt nun die filmische Aufarbeitung von „Brunos“ Schicksal aus, die BR-Fernsehdirektor Gerhard Fuchs bei einer Vorab-Präsentation händereibend als besonderes „Schmankerl“ angekündigt hatte. Die ORF-BR-Koproduktion „Der Bär ist los! Die Geschichte von Bruno“ in der Regie von Xaver Schwarzenberger lag laut BR-Pressestelle allen Beteiligten „wahnsinnig am Herzen“. Doch die einzigen, die in dieser alpinen Komödie wirklich bewundernswerte schauspielerische Leistungen erbringen, sind die Braunbärinnen Fabienne und Trapper vom Zirkus Busch, trainiert von Henry Spindler. Um sie bei Laune zu halten, reisten drei Männchen mit. Für Szenen, in denen die Zoobärin Cilly im Gespräch mit ihrem Direktor (Harald Krassnitzer) als Zeichen der Zustimmung mit dem Allerwertesten wackelt, schlüpfte allerdings ein Student ins Tierkostüm. Denn der gebürtige Tiroler Felix Mitterer machte aus dem Drama um Bruno eine allzu menschliche Liebesgeschichte, deren Naivität stellenweise wehtut.

Harald Krassnitzer und die ungewohnt bayerisch sprechende Nadeshda Brennicke als Tierschützerin mit dem vegetarischen Namen Linde Blümel müssen über weite Strecken höchst einfältig agieren. Die beiden treffen eines Nachts aufeinander, als sie in seinen kleinen Privatzoo einbricht, um dessen Insassen zu befreien: „Zoo, des is der totale Anachronismus!“ Tierpark-Besitzer Rettensteiner ist hochverschuldet und macht sich deshalb am nächsten Tag mit seiner brünftigen Bärin Cilly auf den Weg ins nahe Tirol, um den herumstreifenden „Bruno“ aufzuspüren. Ein publicityträchtiges Bärenbaby, ein Knut in Braun, wäre die Rettung für ihn. Derweil lässt die etwas grenzdebil wirkende Tiroler Landesregierung einen nach Amerika ausgewanderten Landsmann einfliegen, den Großwildjäger Hubert Wolfgruber (Fritz Karl mit künstlichem Akzent). Auch finnische Spezialisten mit Einhornfrisuren und Schnabelschuhen à la „Leningrad Cowboys“ versuchen ihr Glück am Berg, trinken jedoch zu viel Wodka. Gelingt es Wolfgruber nicht, „Bruno“ mit einer Röhrenfalle zu fangen, soll er ihn in die ewigen Jagdgründe schicken. Tierschützerin Linde Blümel verfolgt den Jäger im Kleinbus, um ihn von seinem frevelhaften Tun abzuhalten, wobei ihnen der Zoodirektor mit seiner zahmen Bärin begegnet. Es kommt, wie es kommen muss: Beide Männer verlieben sich in Linde. „Braunbären sind eindrucksvolle und starke Wildtiere, aber keine wilden Bestien“, erklärt der WWF: „Der Mensch sollte ihnen mit Umsicht und Respekt begegnen.“ Sollte „Der Bär ist los! Die Geschichte von Bruno“ dieses Bewusstsein verstärken, wäre immerhin etwas gewonnen.

„Der Bär ist los! Die Geschichte von Bruno“, ARD, 20 Uhr 15

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