TV-Tipp : Kämpfer gegen den Kraken Mafia

Im Stillen hat die Mafia längst Europas Wirtschaft unterwandert und schöpft fette Gewinne ab. Der Sender Arte widmet ihr an diesem Dienstag einen zweistündigen Themenabend.

Achim Fehrenbach
Mafia
Verhaftung von Giovanni Brusca, verantwortlich für den Mord am Mafia-Jäger Giovanni Falcone 1992. -Foto: Arte

Rodolfo Guajana steht vor den Ruinen seiner Lagerhalle am Stadtrand von Palermo. Die Mafia hat sie angezündet, denn Guajana wollte kein Schutzgeld ("pizzo") zahlen. Doch Guajana ist auch nach dem Brand nicht eingeknickt. "Ein christlicher Unternehmer kann doch nicht die Mafia mit pizzo finanzieren", sagt er. "Mit diesem Geld werden Drogen in Südamerika gekauft. Und diese werden später an Eure Söhne und Töchter weiterverkauft." In seinem Kampf gegen die Cosa Nostra, die sizilianische Mafia, ist Rodolfo Guajana nicht allein: Immer mehr Bürger begehren gegen den Terror der organisierten Kriminalität auf.

Die Dokumentation "Gemeinsam gegen die Mafia" porträtiert Unternehmer, Landwirte, Geistliche und Lokalpolitiker, die gegen den "pizzo" mobil machen und dabei ihr Leben riskieren. Der Film von Eric Jozsef und Jorge Amat läuft heute um 21:55 Uhr im Mafia-Themenabend auf Arte. Davor (21 Uhr) ist die ebenfalls sehr beeindruckende Dokumentation "Das dunkle Business der 'Ndrangheta" zu sehen: eine filmische Spurensuche nach den Mafia-Morden von Duisburg. Agnès Gattegno zeigt, wie die 'Ndrangheta ihre Krakenarme weit über Italien und Europa ausstreckt, wie sie die Wirtschaft der Europäischen Union unterwandert. Drogenschmuggel, Waffenhandel, faule Immobiliengeschäfte, Geldwäsche: Der Jahresumsatz der 'Ndrangheta wird auf 36 Milliarden Euro geschätzt. Sie hat damit alle anderen italienischen Mafia-Clans hinter sich gelassen.

Nutznießer der Globalisierung

Gattegno lässt in ihrer Dokumentation vor allem italienische Fahnder zu Wort kommen. Trotz zahlreicher Verhaftungen und erweiterter Abhör- und Beschlagnahmerechte erscheint der Kampf der Staatsanwälte gegen die 'Ndrangheta nahezu aussichtslos. Die kalabresische Mafia hat sich die Globalisierung zunutze gemacht und verfügt im Ausland über zahlreiche "geklonte" Clans, die operativ zwar autonom sind, aber weiter die strategischen Anweisungen des Mutterhauses ausführen.

Die Dokumentation hilft, den scheinbaren Widerspruch zwischen traditionellen Mafia-Gesetzen (Blutrache, Schweigepflicht) und modernen Ausprägungen mafioser Wirtschaftskriminalität zu verstehen. Mit versteckter Kamera begibt sich Gattegno ins kalabresische San Luca, wo die 'Ndrangheta ihre Wurzeln hat. In Duisburg, wo der Krieg zwischen den verfeindeten 'Ndrangheta-Familien Strangio-Nirta und Pelle-Romeo sechs Menschenleben forderte, ist Agnetto ebenfalls mit versteckter Kamera unterwegs. Und zeigt, dass die Mafia in Deutschland sehr viel ungehinderter operieren kann als in Italien.

Während "Das dunkle Business ..." mit seiner Fülle an Quellen streckenweise etwas überladen wirkt, bleibt die Dokumentation "Gemeinsam gegen die Mafia" immer ganz dicht dran an ihren Helden. Die intensiven Kurzporträts zeigen, wie Bürger mit Verantwortungsgefühl nach und nach in ihre Rolle als tapfere Antimafia-Kämpfer hineinwuchsen: eine Gruppe von Freunden, die eigentlich nur eine Kneipe aufmachen wollten und schließlich den Verein "Addio Pizzo" gründeten, der Tausende Menschen gegen Schutzgelderpressung mobilisiert. Oder den Priester Luigi Ciotti, der die Organisation "Libera" ins Leben rief und 1996 ein Gesetz über die Beschlagnahmung krimineller Güter zur Verabschiedung brachte. Oder auch den sizilianischen Lokalsender Telejato, dessen Chef Pino Maniaci unbeirrt die Machenschaften der Cosa Nostra anprangert. Die Dokumentation von Jozsef und Amat zeigt Beispiele für Zivilcourage, die letztlich weit über das Thema Mafia hinausgehen. Sehr sehenswert.

Arte-Themenabend am 16.12.:
21 Uhr: "Das dunkle Business der 'Ndrangheta". Dokumentation von Agnès Gattegno. 58 Min.
21:55 Uhr: "Gemeinsam gegen die Mafia". Dokumentation von Eric Jozsef. 58 Min.

Internet: Weitere Infos zum Themenabend "Kampf gegen die Mafia"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben