TV-Tipp : Kurt Krömer und die Zeit nach Mitternacht

Mit Helge Schneider, Karl Dall, Stefan Raab oder Harald Schmidt ist ja schon vieles zum Thema dekonstruierender Talk gesagt und getan. Kunstfigur Krömer setzt dem als gemeiner „icke“-Berliner die Krone auf.

Markus Ehrenberg
kurt krömer
Kurt Krömer. -Foto: dpa

„Sieht aus wie Heintje, spricht wie Marilyn Manson“, „Karl Marx der Komiker“, „sexiest Witznummer alive“ – Versuche, das Bühnenphänomen Kurt Krömer in Worte zu fassen, werden dem Komiker aus Berlin-Neukölln eigentlich nicht gerecht. Man muss den Mann mit schlecht sitzendem Anzug, Hornbrille und Scheitel gesehen haben. Gerade zu nachtschlafener Zeit, im Fernsehen, wo deutlich mehr Meinungsfreiheit herrscht. Heute startet in der ARD die zweite Staffel „Krömer – die Internationale Show“. Gleich zu Anfang gibt Krömer seine „Kandidatur als Bürgermeister von Berlin“ bekannt und plaudert sich dann mit den „Knallergästen“ Nicolette Krebitz und Anke Engelke in eine Art sinnfreien Rausch hinein. Krömer ist nichts heilig: Sauberkeit in U-Bahnen, Katja Riemann, Einwohnersterben in Wilmersdorf, Besetzungscouch, Kuchenrezepte, Einlegesohlen, Fußgeruch. Dazu schenkt Krömer Kaffee mit Hochprozentigem nach und macht in Einspielfilmchen Hape Kerkeling Konkurrenz: Krömer beim türkischen Barbier oder an der Tür eines vermeintlichen Ebay-Händlers, der in Feinrippunterhose öffnet.

Mit Helge Schneider, Karl Dall, Stefan Raab oder Harald Schmidt ist ja schon vieles zum Thema dekonstruierender Talk gesagt und getan. Kunstfigur Krömer setzt dem als gemeiner „icke“-Berliner die Krone auf: im Spiel zwischen Chuzpe, Blödsinn und Selbstreferenzialität. Wenn’s dem gelernten Herrenausstatter zu bunt wird, steht er aus seinem 70er-Jahre-Sessel auf, knallt die Geschenke seiner Gäste an die Wand, legt sich mit Zuschauern an oder verlässt das grässliche Studio. Darauf können sich in den nächsten elf Folgen Gäste wie Hellmuth Karasek, Nadeshda Brennicke oder auch Grünen-Politiker Jürgen Trittin freuen. Dafür hat die ARD dem zurzeit besten deutschen Komiker 15 Minuten mehr Zeit gegeben. Das hält Kurt Krömer hoffentlich von seiner Kandidatur zum Bürgermeisteramt ab.

Wie gesagt, nicht lesen – angucken! Markus Ehrenberg

„Krömer – die Internationale Show“, ARD, 0 Uhr 20

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