TV-Tipp : „Metropolis“

12.02.2010 00:00 UhrVon Thilo Wydra

Arte begleitet Film-Odyssee

83 Jahre ist es seit der Welturaufführung im Januar 1927 her, dass Fritz Langs legendärer Klassiker „Metropolis“ erstmals wieder in einer Form zu sehen ist, die jener am nahesten kommen dürfte, die die Menschen damals zu sehen bekamen. Denn seinerzeit, als Langs Epos floppte, wurde der avantgardistische, die Schrecken des 20. Jahrhunderts antizipierende Film gekürzt und umgeschnitten, sodass keine der originären Kopien mehr erhalten war.

„Die Reise nach Metropolis“, die Arte am Freitagabend antritt, ist eine langwierige, schwierige und anstrengende. Als 2001 eine restaurierte Fassung aufgeführt wurde, konnte man nicht ahnen, dass sich 2008 ganz unverhofft eine Wendung einstellt: Im fernen Museo del Cine in Buenos Aires lagerte ein 16-Millimeter-Negativ, das um etwa 25 Minuten länger ist als alle vorliegenden Fassungen.

In der Friedrich- Wilhelm-Murnau-Stiftung in Wiesbaden wurde auf Basis sämtlicher Materialien nunmehr eine nahezu integrale, 147 Minuten dauernde Version erstellt (die Urfassung war etwa 154 Minuten lang).

Es ist eine Odyssee, deren Verlauf Filmautor Artem Demenok in seinem Dokumentarfilm nun nachzeichnet. Demenok – begleitet von der Off-Stimme Hanns Zischlers – begibt sich an all die Orte, an denen man an Fritz Langs Opus arbeitete: nach Wiesbaden, Berlin, Paris, Moskau und Buenos Aires. Spannend an dieser Doku ist, wenn etwa Extrakte der alten und der neuen Version im Split-Screen- Verfahren vorgeführt werden, wenn festzustellen ist, dass verschiedene Einstellungen von Lang unterschiedlich inszeniert wurden. Oder, wenn das 16-Millimeter-Negativ in seinem ursprünglichen, vollkommen zerkratzten, geradezu desaströsen Zustand mit der neuen, digital rekonstruierten und restaurierten 2010er Fassung kontrastierend gezeigt wird. Die Unterschiede sind schlichtweg enorm. Bei den langen Dreharbeiten 1925/26 soll laut Off-Kommentar ein anderer, späterer Großer seines Fachs Fritz Lang über die Schulter geschaut haben und selbst zu dieser Zeit noch kein Inszenierender gewesen sein: Alfred Hitchcock. Doch dieser drehte just zu jener Zeit seine beiden ersten Spielfilme, „The Mountain Eagle“ und „The Pleasure Garden“. Thilo Wydra

„Die Reise nach Metropolis“, Arte, 23 Uhr 10

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