TV-Tipp : Mr. Right in Reiterhosen

Von Krise keine Spur: In der neuen ARD-Serie "Die Stein“ steht Julia Stemberger alias Katja Stein zwischen zwei Männern.

Tilmann P. Gangloff

Am Wochenende versucht die ARD vormittags mit zunehmendem Erfolg, Kinder und Eltern gemeinsam vor den Fernseher zu locken. Das soll nun auch dienstags funktionieren. Geschichten, die größtenteils in einer Schule und außerdem noch auf einem Reiterhof spielen und deren Protagonisten versuchen, beide Handlungsorte miteinander zu verschmelzen, um die Schule zu retten. Das klingt ungemein danach, als hätte sich die ARD-Gemeinschaftsredaktion Serien die Erfahrungen der Kollegen von „Schloss Einstein“ zunutze gemacht.

Eine Kinderserie ist „Die Stein“ trotzdem nicht geworden. Inhalt und Optik wirken vielmehr, als habe ARD-Tochter Degeto ihre Finger im Spiel. Wie in den Freitagsfilmen kulminieren Wohl und Wehe zu einer Abfolge dramatischer Höhepunkte, deren ästhetische Gestaltung dank einer konzentrierten Sonnenflut allerdings stets nahe legt: alles halb so wild, zumal sich die Mark Brandenburg von ihrer schönsten Seite zeigen darf.

Dabei muss die wackere Titelheldin eine Menge aushalten. Gleich zu Beginn ertappt sie Mann und Schwester in flagranti, und an ihrer neuen Schule wird die Lehrerin schon gemobbt, bevor sie ihre Arbeit überhaupt angefangen hat. Ihr Chef (David C. Bunners) ist ein Karrierist, der ihr einst beim gemeinsamen Studium die Examensarbeit geklaut hat, einer Reaktivierung der einstigen Beziehung aber nicht abgeneigt wäre.

Aber „Die Stein“, von Julia Stemberger in ihrer ersten Serienhauptrolle mit einem seit Dieter Wedels Mehrteiler „Der König von St. Pauli“ kultivierten Stil sensiblen Trotzes verkörpert, lässt sich nicht unterkriegen, zumindest nicht in der Schule. Um die Liebe hingegen kämpft Katja seltsamerweise keinen Moment lang, was vor allem damit zusammen hängt, dass sie alsbald den Besitzer (Jochen Horst) des benachbarten Reiterhofs schätzen lernt.

13 Folgen hat die ARD zunächst in Auftrag gegeben. Es wird wohl nicht dabei bleiben. Während neue deutsche Serien anderswo von den Zuschauern regelmäßig abgestraft werden, stellt der Dienstagabend im „Ersten“ schon seit geraumer Zeit eine Art Refugium dar. Die Produzenten von Reihen wie „Um Himmels Willen“, „Familie Dr. Kleist“ oder „Tierärztin Dr. Mertens“ können vermutlich gar nicht verstehen, warum ihre Kollegen schon seit Jahren über eine Serienkrise lamentieren. Tilmann P. Gangloff

„Die Stein“, ARD, 20 Uhr 15

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