TV-Tipp : Porträt einer deutschen Muslima

Mit 19 nahm die heute 25-jährige Bremerin Luise den islamischen Glauben an. Beatrix Schwehm hat einen Dokumentarfilm über sie gedreht.

Hans-Jörg Rother

Die Wellen umspielen ihre Schuhe, die kleine Tochter ist ins Wasser gesprungen, auch die Eltern nehmen ein Bad im Mittelmeer. Luise bleibt standhaft und legt den Tschador, der sie von Kopf bis Fuß verhüllt, unter der heißen algerischen Sonne nicht ab. „Schwimmen kann ich noch im Paradies“, sagt sie und verspricht sich viel vom Leben im Jenseits: keine Eifersucht mehr und die Erfüllung aller Wünsche. Um im Paradies Einlass zu finden, muss man sich freilich auf Erden bewähren.

Mit 19 nahm die heute 25-jährige Bremerin den islamischen Glauben an, bald nachdem sie Mohamed, den Informatikstudenten aus Algier, kennengelernt hatte. Ihr Alltag ist von zwei kleinen Kindern, dem Mann und Auseinandersetzungen mit der hilfsbereiten Mutter ausgefüllt. Regelmäßig besucht Luise, die keine besondere religiöse Erziehung genoss, die Moschee, wo sie im Frauenraum mit anderen jungen deutschen Muslimas zusammentrifft. Eine von ihnen hat den Tschador bis über die Nase gezogen, so dass nur ein schmaler Sehschlitz bleibt, ganz so, als wolle sie die anderen im Verhüllungswettbewerb übertreffen. Nie sieht man Luise auf der Straße oder beim Einkaufen im Supermarkt, wo sie viele neugierige Blicke treffen müssten. In Algier dagegen darf die Kamera die Konvertitin im Haus und Hof der Schwiegereltern, beim Spaziergang durch die Gassen der Altstadt und ans Meer begleiten.

Dokumentationen wie die von Beatrix Schwehm müssen sich an Verabredungen halten. Viele Fragen, die man an einen oder eine der auf jährlich über 14 000 geschätzten Neu-Muslime in Deutschland – die meisten davon sind Frauen – richten möchte, kann nur Luises Mutter stellen, die ihre Tochter verstehen will, aber spätestens am Tschador scheitert. Mohamed, der strahlende Ehemann, kommt ins Bild und beteuert, dass sich seine Frau ganz von selbst für das alles verhüllende Gewand entschieden hat. „Ich werde ja gar nicht unterdrückt“, wehrt Luise jede Kritik lächelnd ab. Sie lächelt immer, jedes Mal drängt sich der Eindruck einer auswendig gelernten Antwort auf. Aber sicher hat Luise recht. Sie wird nicht unterdrückt, sie unterdrückt sich selbst. Gegen so viel Naivität läuft jedes Toleranzverlangen ins Leere.

„Luise – eine deutsche Muslima“; Arte, 22 Uhr 05

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