TV-Tipp : Romy Schneider - ein Leben für die Leinwand

Arte widmet der Schauspielerin einen Themenabend zu ihrem 70. Geburtstag.

Thilo Wydra
Romy Schneider
Romy Schneider. -Foto: dpa

„Ich bin wohl recht unlebbar für mich selbst – und schon gar für andere“, hat sie einmal gesagt, das war 1977. Ein Leben lang litt Romy Schneider unter ihrer eigenen Unlebbarkeit. Es war ein Leben in Haltlosigkeit, auf der ständigen Suche nach Anerkennung und Bestätigung, nach Liebe, nach Geliebtwerden um jeden Preis, und sei er auch noch so hoch. Himmelhoch jauchzend – zu Tode betrübt. Romy Schneider, am 23. September 1938 in Wien geboren, am 29. Mai 1982 in Paris gestorben, wurde nur 43 Jahre alt. Seither rankt sich ein Mythos um ihr Leben, ihr Arbeiten, ihren Tod. Die so sehr schön hierzu passende Legende eines Selbstmordes hält sich hartnäckig, da sie noch immer kolportiert wird. Doch ist ebenso wenig daran wie an so vielen anderen sie zumeist beschädigenden Gerüchten.

Die Ausbeutung der Romy Schneider – an ihr waren und sind viele beteiligt. Der britisch-österreichische Dokumentarfilmer Frederick Baker hat anlässlich des bevorstehenden 70. Geburtstags des deutschen Weltstars einen neuen, 90 Minuten umfassenden Film erstellt, der weniger eine chronologische Dokumentation, sondern mehr in der Form eines Porträt-Features gehalten ist. Das hat seine Vor- und Nachteile. „Romy Schneider – Eine Frau in drei Noten“ ist zunächst und tatsächlich in die drei Noten unterteilt, aus denen ein Parfüm besteht: Die Kopf-, die Herz- und die Basisnote. Und da Romys Lieblingsparfum „Vanisia“ war, geht Frederick Baker dieser Duftmarke nach und strukturiert und untergliedert das Leben der Aktrice dementsprechend. Ein Absurdum, das zu verquasten Momenten führt.

Leider, da dieser Strang des Dokumentarfilms der Schauspielerin und dem Menschen überhaupt nicht gerecht werden kann. Da wird das Parfüm getestet, sind Personen mit riechender und rümpfender Nase zu sehen, wird eine Romy-Verehrerin hierzu befragt, die ihrem Idol ähnlich sieht, weswegen ihr Ehegatte, wie er gesteht, sie geheiratet habe. Und andere Ab-

strusitäten. Nein, da hat Frederick Baker, der seine Doku auch philosophisch verstanden wissen will, dem behandelten Objekt seiner Begierde gewiss keinen Gefallen getan.

Zum Vorteil gereichen der „Frau in drei Noten“ einige der dazwischen montierten Interviews mit Zeitzeugen, mit Menschen, die Romy Schneider kannten, mit ihr gearbeitet haben: Regisseur Bertrand Tavernier etwa, der 1979 mit „Death Watch – Der gekaufte Tod“ den fünftletzten Film ihrer insgesamt 58 Arbeiten inszenierte. Oder Joachim „Blacky“ Fuchsberger, der einst 1955 in dem Farb-Remake „Der letzte Mann“ an der Seite von Romy Schneider und Hans Albers stand. Von Fuchsberger etwa sind interessante private Super-8-Filmaufnahmen zu sehen, mit der Schauspielerin und mit der omnipräsenten Mutter Magda Schneider, die es auch hier nicht lassen kann sich einzumischen.

Nicht weniger interessant sind die historischen Dokumentar-Aufnahmen, in denen Romys Großmutter, die legendäre K.u.k.-Hofschauspielerin Rosa Albach-Retty, Abschied von der Wiener Burg und ihrem Schauspieler-Dasein nimmt. Doch dass diese spannenden Aufnahmen alternieren müssen mit Romy-Filmen, die teils übereinander montiert gezeigt werden, oder einfach von einem Boot aus an die Ufer der Pariser Seine projiziert werden, das ist allzu ärgerlich. „Ich kann nichts im Leben – aber alles auf der Leinwand.“ So ambivalent und zerrissen und unfassbar Romy Schneider war, so ambivalent ist dieser Dokumentarfilm über sie.

Thilo Wydra ist Autor der 2008 im Suhrkamp-Verlag erschienenen Biographie „Romy Schneider – Leben, Werk, Wirkung“.

Themenabend Romy Schneider: „Die Spaziergängerin von Sans-Souci“, 20 Uhr 40; „Romy Schneider - Eine Frau in drei Noten“, 22 Uhr 30, beide zu sehen auf Arte.

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