TV-Tipp : Tierschützerin Marlice: Ein Leben in freier Wildbahn

Ganz im Einklang mit der Natur leben - viele Menschen träumen davon, setzen den Traum aber nicht in die Tat um. Zu gewagt erscheint die Vorstellung, die Zivilisation hinter sich zu lassen. Welche Herausforderungen ein Leben in der Wildnis mit sich bringt, zeigt ein Arte-Themenabend an diesem Sonntag.

Achim Fehrenbach
Marlice Foto: ZDF
Mahlzeit. Marlice van Vuuren füttert Geparden. -Foto: ZDF

"Nie würde ich ein Tier aus der Wildnis in den Zoo stecken. Dann würde ich eher sagen: Tötet es." Marlice von Vuuren klingt sehr entschlossen, als sie das sagt. Die 30-Jährige Namibierin bietet auf ihrer Farm "N/a'ankusê" ("Gott beschützt uns") kranken und vom Aussterben bedrohten Tieren Zuflucht. Gemeinsam mit ihrem Mann Rudie, einem Arzt, hat sie 3000 Hektar Land gekauft und darauf das Reservat errichtet. Die Tiere bleiben meist nur eine bestimmte Zeit dort, dann werden sie wieder ausgewildert. Das Geld für das Projekt kommt vor allem aus Spenden und dem Ökotourismus, den Marlice und Rudie auf ihrer Farm anbieten. "N/a'ankusê" bedeutet für das Paar und ihre Helfer eine Menge Arbeit - aber auch unvergleichliche Naturerlebnisse.

Die Dokumentation "Marlice - Eine Vision für Afrika" ist - neben dem Abenteuerfilm "Die Spur des Windes" - Teil eines Arte-Themenabends unter dem Motto "In freier Wildbahn". Doku-Regisseur Philip Selkirk zeigt eine starke, mutige Frau, die gegen alle Widerstände ihren Weg findet. Marlice ist keine Zivilisations-Aussteigerin, denn bereits ihre Eltern besaßen eine Tierfarm. Nach dem Tod des Vaters übernahm auf "Harnas" ihr Bruder Skalk das Kommando. Zwischen ihm und Marlice kam es daraufhin zu Meinungsverschiedenheiten über die Zukunft der Farm: "Harnas" soll durch Größe beeindrucken, deshalb wildert Skalk die Tiere nicht wieder aus - eine Praxis, die Marlice schließlich dazu brachte, ihr eigenes Projekt zu gründen. "N/a'ankusê" soll nicht nur Wildtiere schützen, sondern auch die Umwelt und die Kultur der Buschmänner, der Ureinwohner Namibias. Marlice ist fleißig und ehrgeizig genug, all das in die Tat umzusetzen. Sie nimmt dafür auch in Kauf, innerhalb der Familie als Aussteigerin, als "verlorene Tochter", dazustehen. Beim namibischen Umweltministerium beißt Marlice mit ihrem kompromisslosen Tierschutzgedanken ohnehin auf Granit.

Porträt und Natur-Doku

Selkirks Dokumentation ist eine gelungene Mischung aus Personen-Porträt und Naturaufnahmen. Tierfreunde werden voll auf ihre Kosten kommen, zeigt der Film doch zahlreiche Wildtiere aus nächster Nähe: Löwen, Geparden, Karakale, Affen und viele mehr. Es ist beeindruckend, wie vertraut Marlice mit ihnen umgeht - und mit welcher Entschlossenheit sie um ihr Wohl kämpft.

Selkirk zeigt Marlice, wie sie die Tiere birgt und verarztet, und auch ihre Verzweiflung, wenn die Hilfe einmal zu spät kommt. Die 30-Jährige will wirklich jedes einzelne Tier retten und investiert dafür viel Zeit. Ständig muss sie abwägen, wo sie ihre Kräfte am gewinnbringendsten investiert: bei der materiellen und ärztlichen Hilfe für die Buschmann-Community, im Ökotourismus, bei der Erweiterung der Farm oder eben bei den Tieren selbst. Für ruhige Stunden mit der Familie - Marlice und Rudie haben einen kleinen Sohn - bleibt kaum Zeit. Es ist gerade die konsequente Schilderung dieser Schattenseiten, die aus der Dokumentation mehr macht als eine bunte Tierstreicheltapete.

Unerschütterlicher Optimismus

Stolz zeigt Marlice Fotos, auf denen die "Harnas"-Belegschaft mit Angelina Jolie und Brad Pitt zu sehen ist. Doch nicht nur diese Spendenquelle ist versiegt, auch die Großfamilie von der "Harnas"-Ranch ist mittlerweile zerstritten. Trotz aller Zweifel, trotz aller Kritik an ihrem Projekt überwiegt bei Marlice und Rudie aber der Optimismus, ihre Vision von Afrika Wirklichkeit werden zu lassen.

Die andere Hälfte des Arte-Themenabends bestreitet der Spielfilm "Die Spur des Windes" von 1993: Die 14-jährige Nonnie (Reese Witherspoon) lebt auf einer einsam gelegenen Farm am Rande der Kalahari-Wüste. Als Wilderer ihre Eltern ermorden, flieht Nonnie mit zwei weiteren Überlebenden, dem Feriengast Harry und dem Buschmann Xhabbo, in die Wüste. Nur mit Xhabbos Hilfe können sie ihren Verfolgern entkommen und den 2000 Kilometer langen Marsch durch die Wildnis überleben. Neben dem dramatischen Überlebenskampf zeigt "Die Spur des Windes" auch die Auswirkungen der Wilderei - ein Berührungspunkt zur nachfolgenden Dokumentation über das Tierschutzprojekt.

Arte-Themenabend am 28.12.2008:
20:45 Uhr: "Die Spur des Windes" ("A far off place"). Spielfilm von Mikael Salomon. USA 1993. 103 Min.
22:30 Uhr: "Marlice - Eine Vision für Afrika". Dokumentation von Philip Selkirk. Deutschland 2008. 71 Min.

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