TVLab : Satire zum Berliner Flughafen

Das Baustellen-Fiasko beim Berliner Großflughafen hat auch seine guten Seiten, zeigt eine Fernsehsatire auf ZDFneo.

von
Wir schaffen das. Glaubt Ex-Stewardess Anke (Marie Schöneburg, re.).
Wir schaffen das. Glaubt Ex-Stewardess Anke (Marie Schöneburg, re.).Foto: ZDF

Ein im Rollstuhl sitzender „Afro-Deutscher“ als Flughafenchef, ein durchgeknallter Superkonstrukteur, eine dralle Ex-Stewardess, die versucht, ein Kinderparadies aufzubauen, und ein übereifriger Sicherheitschef auf der Jagd nach Saboteuren – wenn das Personal beim Berliner Flughafen auch in Wirklichkeit so aussähe wie in dieser TV-Satire, man würde vieles besser verstehen, was dort in den vergangenen Jahren schiefgelaufen ist.

„Niemand hat die Absicht, einen Flughafen zu eröffnen“, die erste Fernsehsatire zum Großbaustellenfiasko im Berliner Südosten, hat’s im Grunde einfach. Kaum ein Ort in Deutschland wird so viel bespottet wie der Berliner Flughafen. Leider zeugt der Film von dem Dilemma, etwas ohnehin Absurdes noch absurder darzustellen, das stete Verschieben der Einweihung des Flughafens wegen der hanebüchenen Unzulänglichkeiten, Planungsfehlern und persönlichen Konflikten des Bodenpersonals.

Es stand ja oft genug in den Zeitungen: In der Sicherheitscheckliste, die ein Flughafen erfüllen muss, um offiziell eröffnet werden zu können, gibt es um die 20 000 potenzielle Mängel und Gefahrenquellen. Die Macher schaffen es immer wieder, ein paar neue zu kreieren. Seinen Reiz gewinnt dieser Plot – er ist Teil des sogenannten „TVLabs“ auf ZDFneo, das neue Formate testet – im Vergleich mit lebenden Personen. Da schneidet Aufsichtsrat von Wellnitz besonders schlecht ab. Ist eigentlich belegt, wie oft Klaus Wowereit den Brüllaffen beim Berliner Flughafen gab? Wie auch immer. Etwas mehr Arbeit am Drehbuch wäre schön gewesen. Allzu zotig kommen Dialoge herüber. Kein Vergleich zur Bürosatire „Stromberg“ oder „Monthy Python“, was das Format, die satirische „Mockumentary“ – eine Mischung aus Comedy und fiktiver Dokumentation – nahelegt. Flughafengegner werden ihre Freude an dem Stück Fernsehen und seinem depressiven Sicherheitschef haben: „Ich pfeife auf die Eröffnung, weil das hier eine Oase der Ruhe ist. Wenn die Menschen kommen, bin ich weg.“ Markus Ehrenberg

„Niemand hat die Absicht, einen Flughafen zu bauen“, Freitag,

ZDFneo, 22 Uhr

Autor

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben